Wirtschaft : Verband VIK: Preiskampf im Strommarkt gefährdet die Umwelt

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Die Zukunft der industriellen Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) in Deutschland ist nach Ansicht des Verbandes der Industriellen Energie- und Krafwirschaft e.V. (VIK) bedroht. Die Interessenvertreter von Kraftwerken in deutschen Unternehmen forderten deshalb von der Bundesregierung am Dienstag in Berlin, die Betreiber von betrieblichen KWK-Anlagen zu subvenionieren. "Nur so ist die Stilllegung von umweltschonenden Technologien in der Energiebranche zu stoppen", argumentierte VIK-Vorstandsmitglied Gunter Effey.

Grund für die existenzbedrohende Lage der KWK sind die Liberalisierungsbewegungen auf den europäischen Energie- und Erdgasmärkten. Der drastische und durch Überkapazitäten bedingte Preisverfall für die Kilowattstunde sorge dafür, dass selbst effizient arbeitende KWK-Anlagen dem Dumpingstrom von externen Anbietern unterlegen seien. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen sei ein Fremdbezug daher naheliegend. "Bei der derzeiigen Lage ist an eine Investitionsentscheidung für KWK nicht zu denken", sagte Friedhelm Bei der Kellen, Sprecher des VIK-Mitgliedsunternehmens Felix Scholler jr. GmbH & Co. KG.

Obwohl der grössere Teil des KWK- Stroms, nämlich 55 Prozent, von Industrie und Gewerbe erzeugt werden, sieht der Verband eine deutliche Benachteiligung gegenüber öffentlichen Anbietern. Diese sollen, nach einem Entwurf zum neuen KWK-Gesetz, mit einer Bonusregel im Wettbewerb unterstützt werden. "Wir fordern eine Gleichbehandlung mit der kommunalen KWK", appelliert Effey an Bundeswirtschaftsminister Müller und an die Politik. Der VIK erwartet eine "marktkonforme Förderung" gemäß dem Bedürfigkeitsprinzip. Dabei sollen unabhängige Wirtschaftsprüfer im Einzelfall feststellen, ob Anlass zur Förderung besteht. Das Programm solle so lange Bestand haben, bis die Überkapazitäten am Energiemarkt abgebaut seien und sich der Preis pro Kilowattstunde auf einem etwas höheren Niveau eingependelt habe. Weiterhin fordert der VIK eine Befreiung aller KWK-Anlagen von der Stromsteuer.

Die finanziellen Mittel für die zeitliche begrenzte Förderung sollen, nach Ansicht Effeys, aus der Ökosteuer abgezweigt werden. Damit solle letztendlich gewährleistet werden, solche Technologien zu unterstützen, die auch dem Klimaschutz dienen. Nur so sei das Kyoto-Abkommen über eine Reduktion des CO2

Ausstosses einzuhalten. Denn bei einem Wegfall sämtlicher KWK-Anlagen in Deutschland würden acht Millionen Tonnen mehr CO2

emittiert werden, als das heute der Fall ist, argumentiert der Kraftwerksbetreiber-Verband.

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