Wirtschaft : Verbissen multikulturell

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Europa bemüht sich zum diesjährigen Weihnachtsfest besonders verbissen, christlich moderat zu wirken und seinen multikulturellen Eifer unter Beweis zu stellen. In Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett in London werden David Beckham als Josef und Ex-Spice-Girl-Gattin Victoria als Maria ausgestellt. Die Stadtverwaltung in Barcelona bewilligt eine von Kunststudenten konzipierte Krippe, die nicht mal mehr das Jesuskind zeigt und die Heilige Familie durch einen Geschäftsmann mit Handy, einen Lieferanten mit einer Gasflasche und einen Blinden ersetzt. All das könnte man Kommerz und (schlechtem) Avantgardismus zuschreiben. Doch es spiegelt eine umfassendere Bewegung wider. Es ist noch gar nicht lange her, als Rocco Buttiglione mit seiner Kandidatur für die EU-Kommission scheiterte, weil er zu seinem religiösen Glauben stand, und die Ermordung des Filmemachers Theo van Gogh als Zeichen aufgefasst wurde, dass die für ihre Toleranz bekannten Holländer sich noch flexibler zeigen müssten. Diese Philosophie ist so unangebracht wie ineffektiv. Wie der muslimische Anwalt Waleed Aly kürzlich als Reaktion auf eine Kontroverse über Weihnachtsschmuck in Sydney schrieb, „hilft es niemandem, die Christlichkeit im Weihnachtsfest zu verleugnen oder gar abzustreifen. Das ist kein Multikulturalismus. Das ist Antikulturalismus.“

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