Wirtschaft : Verborgene Schätze

Börse führt Gex-Index für Mittelständler ein – die sind oft rentabler als Konzerne

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main. Für Firmen wie die Ludwigsburger Jetter AG ist es ein neues wichtiges Schaufenster. Vom heutigen Montag an wird das mittelständische Automatisierungs-Unternehmen zusammen mit 116 weiteren börsennotierten Firmen im neuen Gex-Index der Deutschen Börse AG vertreten sein. Gex steht für „German Entrepreneurial Index“ oder auch Deutscher Unternehmensindex und ist gedacht für familiengeführte mittelständischen Unternehmen. Hintergrund: Sie gehören seit Jahren zu den erfolgreichsten deutschen Firmen, ohne das dies mit einem Index an der Börse entsprechend honoriert wird.

Von Juni 2002 bis Oktober 2004, so hat die Deutsche Börse ausgerechnet, hätte der Gex den Deutschen Aktienindex Dax, in dem die 30 größten deutschen börsennotierten Firmen vertreten sind, genauso geschlagen wie den Technologie-Index Tec-Dax oder den für kleinere Unternehmen reservierten S-Dax. „In den vergangenen Jahren haben sich eigentümergeführte Unternehmen eindrucksvoll an der Börse behauptet“, sagt Rainer Riess, bei der Deutschen Börse für den Kassamarkt verantwortlich.

Voraussetzung für die Aufnahme in den Gex ist, dass 25 bis 75 Prozent der Aktien des jeweiligen Unternehmens von Familien gehalten werden. Bei Jetter etwa kontrollieren drei Familien knapp 40 Prozent des Aktienkapitals. Allerdings darf der Börsengang der Unternehmen nicht mehr als zehn Jahre zurückliegen. Dritte Bedingung ist die Notierung im so genannten Prime Standard der Deutschen Börse, dem gehobenen Börsensegment, das besondere Anforderungen stellt und unter anderem Quartalsberichte verlangt. Zu den 117 Gex-Firmen gehören renommierte Adressen wie AWD, Funkwerk, Henkel, Maxdata oder Parsytec. Schwergewicht im Gex mit einem Index-Anteil von rund zehn Prozent ist Fresenius Medical Care.

Mit dem neuen Mittelstandsbarometer hoffen Börse und Unternehmen mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Für Zertifikate und Optionsscheine könnten die Aktien interessanter werden, auch Fonds könnten die im Gex notierten Firmen mehr in Betracht ziehen als bislang.

Allerdings: Das Interesse der großen Fondsgesellschaften wie der Deutsche Bank-Tochter DWS oder der Union Invest, der Fondsfirma der Volks- und Raiffeisenbanken, hält sich noch in Grenzen. Marktkapitalisierung und Streubesitz der Gex-Firmen seien noch relativ gering.

Wenn der Gex kommt, verschwindet im übrigen der Nemax. Der Neue Markt Index wird nicht mehr berechnet. Der Neue Markt selbst war schon im März 2003 nach dem beispiellosen Crash geschlossen worden.

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