Wirtschaft : Verbraucher haben wieder bessere Laune

Das Konsumklima in Deutschland hellt sich auf – ob das dem Weihnachtsgeschäft nützt, ist im Einzelhandel aber noch umstritten

Corinna Visser

Berlin - Die Stimmung der deutschen Konsumenten hat sich im Oktober etwas aufgehellt. „Offenbar hat sich der Ausgang der vorgezogenen Bundestagswahl positiv auf die Einschätzung der Konjunkturerwartungen durch die Verbraucher ausgewirkt“, berichtete das Nürnberger Marktforschungsunternehmen Gfk am Donnerstag. „Sowohl im Hinblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung als auch auf ihre eigene finanzielle Situation äußern sich die Menschen spürbar zuversichtlicher als im Vormonat.“ Von einer Trendwende will der Einzelhandel jedoch nicht sprechen. „Die Indikatoren des Konsumklimas decken sich nicht mit der harten Realität“, sagte Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels, dem Tagesspiegel.

Der jeden Monat von der GfK ermittelte Konsumklimaindikator (siehe Kasten) stieg von 3,1 Punkten im Oktober auf 3,4 Punkte im November. Demnach ist auch die Neigung der Verbraucher, Geld für größere Anschaffungen auszugeben, etwas gestiegen. Einen wesentlichen Grund für die bessere Stimmung vermuten die Marktforscher darin, dass der Anstieg der Energiepreise nicht mehr so negativ aufgenommen wurde. Offensichtlich hätten sich Verbraucher bereits daran gewöhnt, dass sie für Benzin und Heizöl nun mehr Geld ausgeben müssen.

Die Befragung fand in der ersten Oktoberhälfte statt, als sich bereits eine große Koalition abzeichnete. „Mein Eindruck ist, dass die Verbraucher meinten, dass jetzt doch nicht so viele Belastungen auf sie zukommen wie unter einer schwarz- gelben Koalition“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Zu dem Zeitpunkt schien also etwa eine Erhöhung der Mehrwertsteuer weniger wahrscheinlich. Jetzt müssen die Deutschen jedoch damit wieder rechnen.

Die bloße Ankündigung könnte dazu führen, dass Verbraucher größere Anschaffungen vorziehen. Das wiederum könnte das für den Handel wichtige Weihnachtsgeschäft beleben. „Solche Vorzieheffekte können allenfalls ein Strohfeuer sein“, sagte HDE-Geschäftsführer Pellengahr. Am Ende werde eine Mehrwertsteuererhöhung dem Konsum in Deutschland einen kräftigen Dämpfer verpassen. „Ich hoffe, dass am Montag von Frau Merkel und Herrn Müntefering eine befreiende Aussage kommt“, sagte Pellengahr. „Das würde den Konsum beflügeln.“ Noch traut sich der HDE für das kommende Weihnachtsgeschäft keine Prognose zu. Insgesamt erwartet der deutsche Einzelhandel in diesem Jahr einen Umsatzrückgang von einem Prozent. Das wäre dann das vierte Jahr mit rückläufigen Erlösen in Folge.

Zumindest bei Karstadt-Quelle ist man optimistisch für das Weihnachtsgeschäft. „Wenn die Indikatoren stimmen, wird es ein gutes Geschäft“, sagte ein Konzernsprecher. „Dazu gehören aber stabile politische Verhältnisse in Berlin. Wir hoffen, dass sich die Situation dort bald klärt.“ Auch bei der Metro heißt es, man müsse abwarten, was im Regierungsprogramm steht. „Ein positives Konsumklima zum jetzigen Zeitpunkt vorherzusagen, halte ich für gewagt“, sagte ein Metro-Sprecher. „Wir gehen davon aus, dass die Konsumstimmung in Deutschland schwierig bleibt – besonders im Lebensmitteleinzelhandel.“

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