Wirtschaft : Verbraucher haben wieder mehr Lust zum Einkaufen

Umsatz des Einzelhandels steigt im Juli leicht an – Experten erwarten schon bald Trendwende beim Konsum

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Berlin Die deutschen Einzelhändler haben im Juli 0,9 Prozent mehr eingenommen als im Juni. Das teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit. Damit deutet sich eine Erholung bei der bislang schwachen Binnennachfrage an. Bereits im Juni hatte es ein leichtes Plus gegeben. Branchenexperten sorgen sich aber, dass die hohen Energiepreise den Trend zunichte machen könnten.

Vor allem der Handel mit Textilien verzeichnete im Monatsvergleich Zuwächse. Gegenüber dem Vorjahr sank der Juli-Umsatz der Einzelhändler zwar um 0,9 Prozent und in den ersten sieben Monaten lag das Minus bei 1,4 Prozent. „Aber das Schlimmste liegt hinter uns“, sagte Thomas Hueck von der Hypo-Vereinsbank in München. Das wäre eine gute Nachricht für die Konjunktur. Denn bislang ist der Aufschwung nur vom Export getragen. Die Binnennachfrage – die von Firmeninvestitionen und privatem Verbrauch getragen wird – stagniert dagegen seit langem. Der Einzelhandel macht 40 Prozent des privaten Verbrauchs in Deutschland aus, den Rest geben die Leute für Posten wie Mieten, Reisen oder Energie aus.

Genau deswegen sorgen sich Experten. „Wenn der Trend zu steigenden Öl- und Gaspreisen anhält, kann er noch schmerzvoll für den Handel werden“, warnte Hueck. Die Energiepreise machten aber nur sieben Prozent des privaten Verbrauchs aus. Hinzu kämen 2005 die Belastungen durch Sozialreformen. Grundsätzlich ist Experte Hueck aber optimistisch: Unterm Strich werde der private Verbrauch in diesem Jahr um 0,3 Prozent sinken, im kommenden Jahr aber um 1,1 Prozent zulegen. „Wenn die Reformen Früchte tragen, wird es mehr Stellen und auch mehr Konsum geben“, ist er sicher. Davon werde der Handel profitieren.

Die Branche sieht die Zukunft weniger positiv. „Die aktuellen Zahlen begründen noch keine Hoffnung“, sagte Johann Hellwege, Hauptgeschäftsführer des Verbandes BAG. Die Lage bleibe „äußerst kritisch“. Hermann Franzen, Chef des Hauptverbandes des deutschen Einzelhandels, machte die Reformdebatte für den geringen Konsum der Leute verantwortlich. Der Reformstau „gefährdet die Binnennachfrage und vergrößert die Krise des Einzelhandels“, erklärte er. brö

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