Wirtschaft : „Verbraucher hilflos ausgeliefert“

300 Gasversorger erhöhen zum Oktober ihre Preise

Heidelberg/Berlin - Pünktlich zum Beginn der Heizsaison ziehen viele Gasversorger in Deutschland kräftig ihre Preise an. Nach Angaben der Verbraucherportale Verivox in Heidelberg und Toptarif in Berlin erhöhen mehr als 300 Anbieter zum 1. Oktober ihre Preise im Durchschnitt um rund 15 Prozent. Dadurch zahle eine Familie mit einem Verbrauch von 20 000 Kilowattstunden (kWh) durchschnittlich zwischen 213 und 223 Euro mehr im Jahr für Gas, berichten die beiden Verbraucherportale. Bereits im August und September hatten etwa 260 Anbieter ihre Preise angehoben, darunter auch die Berliner Gasag um bis zu 14 Prozent. Mit dem stärksten Preisanstieg müssen Verivox zufolge die Kunden der Vereinigten Stadtwerke in Schleswig-Holstein rechnen. Das Unternehmen erhöht die Preise um mehr als 30 Prozent, was sich auf der Gasrechnung mit jährlich 392 Euro mehr niederschlägt. Die Gaspreise folgen mit einigen Monaten Verzögerung den Ölpreisen.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) begründete die Preiserhöhungen mit der gestiegenen Nachfrage nach Energie auf den Weltmärkten. „Vor allem der Energiehunger in China und Indien erhöht den Druck auf die Preise weltweit“, sagte ein BDEW-Sprecher in Berlin. Nach Angaben des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle lagen die Einfuhrpreise für Erdgas im Juli um 46,4 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats.

Die Verbraucherzentrale in Berlin kritisiert derweil vor allem den fehlenden Wettbewerb auf dem Markt. „Der Verbraucher ist den Gaspreisen quasi hilflos ausgeliefert“, sagte der Energieexperte Holger Krawinkel. Weil der Markt so undurchsichtig sei, könnten Verbraucher die Preise der verschiedenen Anbieter kaum vergleichen. Krawinkel empfahl den Verbrauchern daher, wenn möglich auf erneuerbare Energien oder Fernwärme umzusteigen. dpa

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