Wirtschaft : Verbraucher planen für den Aufschwung

GfK-Umfrage: Kauflust der Bürger wächst / Experten warnen vor zu deutlichen Lohnsteigerungen

Carsten Brönstrup

Berlin - Die Verbraucher sind zum Jahresende hin so gut gestimmt wie lange nicht mehr. Ihre Hoffnung auf eine günstigere Wirtschaftsentwicklung sei deutlich gewachsen, erklärte die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Mittwoch aufgrund ihrer Dezember-Umfrage bei 2000 Bürgern. Beachtlich sei vor allem die gestiegene Neigung zu größeren Anschaffungen – der entsprechende Index sei erstmals seit vier Jahren wieder im positiven Bereich, hieß es.

Der Gesamtindikator für das Konsumklima werde im Januar bei 3,8 Punkten liegen nach 3,4 Punkten im Dezember, prognostizierte die GfK. Auch die allgemeine Wirtschaftsentwicklung schätzten die Befragten viel positiver ein als noch vor einem Monat: Hier kletterte der Wert um 20 auf 11,9 Punkte, das war der höchste Stand seit Mitte 2002. Als Grund vermutete die GfK den Start der neuen Regierung sowie die Aussicht auf einen Aufschwung 2006. Allerdings stieg die Komponente des Konsumklimas, die über die Erwartung der persönlichen finanziellen Zukunft Auskunft gibt, weiterhin nur verhalten. Hier blieb der GfK-Index deutlich im negativen Bereich. Dennoch hätten sich „die Chancen auf eine etwas positivere Entwicklung des privaten Konsums im neuen Jahr leicht verbessert“, erklärten die GfK-Experten.

Auch andere Indikatoren, etwa das Ifo-Geschäftsklima oder der Konjunkturindex des Wirtschaftsinstituts ZEW, hatten zuletzt ein deutliches Plus verzeichnet. Zudem hatte der Einzelhandel berichtet, das Weihnachtsgeschäft habe zumindest das Niveau des Vorjahres erreicht.

Als „bemerkenswert“ für die Binnennachfrage stufte den Index Holger Bahr ein, der die Abteilung Volkswirtschaft bei der Deka-Bank leitet. Nachrichten über weiter steigende Energiepreise oder Krankenkassenbeiträge könnten die gute Stimmung indes wieder verhageln. Generell werde der Konsum erst anspringen, wenn die Deutschen ihre Jobs als sicherer einschätzten und nicht um ihre Einkommen bangen müssten, befand Bahr.

Zu diesem Zweck auf stärkere Tarifsteigerungen zu setzen sei aber der falsche Weg, erklärten Ökonomen und Verbände. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hatte der „Bild“-Zeitung gesagt, wesentliche Teile der Wirtschaft seien auf kaufkräftige Nachfrage angewiesen. „Die Menschen müssen deshalb für gute Arbeit gutes Geld verdienen und es dann auch ausgeben können.“ Kräftigere Lohnsteigerungen seien „der falsche Weg“, sagte Axel Börsch-Supan, Chef des wissenschaftlichen Beirats in Glos’ Ministerium. Die hohen Arbeitskosten seien eine wichtige Ursache der Arbeitsmarktmisere. „Deutliche Aufschläge sind nur dort gerechtfertigt, wo die deutschen Unternehmen Spitzenprodukte herstellen und wo die Produktivität stark gestiegen ist.“ Bei Durchschnittsprodukten sei die Wirtschaft im Wettbewerb mit Billigländern aber nicht konkurrenzfähig, das zeige das Ende des AEG-Werkes in Nürnberg.

Auch der Arbeitgeberverband Gesamtmetall widersprach Glos. „Jede Lohnerhöhung, die über die Produktivitätsentwicklung hinausgeht, kostet Arbeitsplätze“, hieß es dort. Eine „vordergründig an der Kaufkraft orientierte Lohnerhöhung“ werde zu beschleunigtem Jobabbau führen. Nach einer Berechnung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung sind die Reallöhne in Deutschland zwischen 1995 und 2004 um 0,9 Prozent gesunken.

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