• „Verbraucher sollen sich von den Privaten nicht blenden lassen“ Stiftung Warentest: Nicht für jeden ist die PKV die bessere Wahl

Wirtschaft : „Verbraucher sollen sich von den Privaten nicht blenden lassen“ Stiftung Warentest: Nicht für jeden ist die PKV die bessere Wahl

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Wer sollte sich privat versichern?

Auf jeden Fall Beamte. Für sie ist die private Krankenversicherung eindeutig günstiger. Denn ihr Arbeitgeber übernimmt dann in Form der Beihilfe 50 oder 70 Prozent der Behandlungskosten, so dass nur noch eine Versicherung über den verbleibenden Teil abgeschlossen werden muss. An den Beiträgen zu einer gesetzlichen Krankenkasse beteiligt sich der Dienstherr dagegen nicht. Auch für Selbstständige und Angestellte ist die private Versicherung besonders dann attraktiv, wenn sie männlich, gesund, jung und Single sind und auch in Zukunft nicht vorhaben, eine Familie zu gründen.

Wer sollte auf gar keinen Fall in die Privatkasse wechseln?

Wer bereits Mitte 40 oder älter ist, sollte sich nicht von den zunächst attraktiven Angeboten privater Versicherer blenden lassen. Je später der Einstieg in einen privaten Vertrag, desto wahrscheinlicher sind heftige Beitragsanstiege im Alter. Denn die Versicherungsgesellschaft hatte ja keine Zeit, genügend Alterungsrückstellungen zu bilden, um die im Alter höheren Behandlungskosten zu bezahlen. Auch für Familien mit mehreren Kindern ist die private Krankenversicherung eher ungeeignet. Während in der gesetzlichen Krankenkasse Kinder und auch Lebenspartner ohne eigenes Einkommen beitragsfrei mitversichert sind, braucht in der privaten Versicherung jede Person einen eigenen Vertrag.

Wie schafft es die PKV, bessere Leistungen zu niedrigeren Beiträgen anzubieten als die GKV?

Das liegt vor allem daran, dass sich die PKV-Unternehmen ihre Kunden aussuchen können. Wer schon bestimmte Erkrankungen wie Asthma oder schwere Herz-Kreislauf-Leiden hat, den nehmen die Versicherer meist gar nicht auf. Außerdem gilt die Faustregel „privat gleich besser und billiger" nicht für alle Personen und erst recht nicht ein ganzes Leben lang. Privat Krankenversicherte tun gut daran, das in jungen Jahren eingesparte Geld anzulegen, um eine Reserve für später ansteigende Beiträge zu haben.

Mit welchen Beitragssteigerungen müssen die privat Versicherten rechnen?

Wer vor 30 Jahren in die private Krankenversicherung eingestiegen ist, zahlt heute oft mehr als das Doppelte seines damaligen Beitrags. Informationen über die Entwicklung der Beiträge im Lauf eines Versichertenlebens sind von den Unternehmen nicht zu erhalten. Sicher ist aber: Auch in Zukunft werden die Beiträge weiter steigen.

Wie würde sich eine Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze im kommenden Jahr auswirken?

Die PKV könnte Nachwuchsprobleme bekommen. Wenn der geringere Neuzugang dazu führt, dass das Durchschnittsalter der PKV-Versicherten steigt, dann steigen auch die durchschnittlichen Gesundheitskosten. Und damit dann auch die Beiträge.

Sollten gesetzlich Versicherte private Zusatzversicherungen abschließen? Wenn ja, welche?

Ein echtes Leistungs-Plus bieten Zusatzversicherungen fürs Krankenhaus. Damit können sich Kassenpatienten die Behandlung durch Chefärzte sichern, außerdem haben sie eine größere Freiheit bei der Auswahl des Krankenhauses und können im Ein- oder Zweibettzimmer liegen.

Das Interview führte Heike Jahberg

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