Verbraucher-Tipps : Endspurt zum Steuernsparen

Jetzt noch eine Brille kaufen, den Maler bestellen oder die Steuerklasse wechseln: Vor der Weihnachtspause noch einmal aktiv werden – das kann sich lohnen.

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Das Ziel ist in Sicht. Wer möglichst wenig Steuern zahlen will, muss sich auf den letzten Metern noch einmal anstrengen. Foto: lassedesignen - Fotolia
Das Ziel ist in Sicht. Wer möglichst wenig Steuern zahlen will, muss sich auf den letzten Metern noch einmal anstrengen.Foto: lassedesignen Fotolia

Noch hat die Politik ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Am vergangenen Mittwoch trennte sich der Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag ohne Ergebnis. Nun treffen sich die Unterhändler am 12. Dezember wieder. Die Zeit, um die steuerlichen Weichen für das kommende Jahr zu stellen, wird knapp. Dabei betrifft das, was die Politiker beschäftigt, jeden – es geht um den steuerlichen Grundfreibetrag. Die schwarz-gelbe Koalition will den Sockel für das kommende Jahr um 126 Euro und für 2014 um weitere 224 Euro erhöhen. Statt 8004 Euro sollen die Bürger im nächsten Jahr 8130 Euro, im Jahr darauf 8354 Euro einnehmen können, ohne einen Cent an den Fiskus zu zahlen. Das klingt nicht schlecht, unterm Strich hält sich die Entlastung jedoch in Grenzen, warnt Wolfgang Wawro, Sprecher des Steuerberaterverbandes Berlin-Brandenburg: „Die Ersparnis dürfte sich bei den meisten Steuerzahlern auf zwei bis drei Euro im Monat beschränken.“

Statt sich auf die Politik zu verlassen, sollte man deshalb lieber jetzt seine eigenen Hausaufgaben machen, rät der Experte. Wer in den letzten Wochen des Jahres seine Einnahmen und Ausgaben geschickt plant, profitiert davon bei der nächsten Abrechnung mit dem Finanzamt. Das Prinzip: Wer im laufenden Jahr hohe Einnahmen hat, sollte ohnehin geplante Ausgaben nicht aufs kommende Jahr verschieben, sondern jetzt noch tätigen, um die Steuerschuld zu drücken. Drohen Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit, kann ein Wechsel der Steuerklasse sinnvoll sein.

HANDWERKERRECHNUNG

Wer teure Renovierungen oder Instandhaltungsmaßnahmen plant, sollte mit dem Handwerker über eine Aufteilung der Rechnung sprechen, rät der Neue Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL). Denn die Lohnkosten des Handwerkers kann man bis zu einer Höhe von 6000 Euro absetzen – im Jahr. Liegen die Lohnkosten höher, sollte man sie auf zwei Jahre verteilen. Für Materialkosten gilt das aber nicht.

WERBUNGSKOSTEN

Für Werbungskosten – den Weg zur Arbeit, Büromaterial, Fachliteratur – gibt es eine Pauschale von 1000 Euro im Jahr. Wer höhere Ausgaben hat, kann natürlich auch mehr absetzen. Daher kann es sich steuerlich lohnen, jetzt noch Büromaterial anzuschaffen, einen Computer oder einen Drucker – soweit man diese Geräte beruflich nutzt. Wie man diese Investitionen absetzt, hängt vom Preis ab. Geringfügige Wirtschaftsgüter bis zu einem Nettopreis von 410 Euro beziehungsweise 487,90 Euro inklusive Mehrwertsteuer kann man auf einen Schlag steuerlich geltend machen. Teurere Produkte hingegen lassen sich über drei Jahre gesplittet absetzen.

Übrigens: Seit diesem Jahr können Arbeitgeber ihren Mitarbeitern betriebseigene Computer, Smartphones und Tablets samt Software überlassen, ohne dass die Arbeitnehmer diese Vorteile versteuern müssen. „Das gilt auch dann, wenn man die Geräte privat nutzen darf“, weiß Steuerberater Wawro. Die Neuregelung habe Rückwirkung bis zum Jahr 2004. „Ist der Steuerbescheid wegen eines Einspruchs noch offen, kann man das jetzt auch nachträglich noch geltend machen“, rät Wawro.

VERSICHERUNGSBEITRÄGE

Auch mit Versicherungsbeiträgen lassen sich Steuern sparen. Seit 2010 kann man Krankenversicherungsbeiträge unbegrenzt steuerlich absetzen. Das Problem: Andere Versicherungsbeiträge etwa für die Berufsunfähigkeits-, Haftpflicht- oder Unfallversicherung fallen in aller Regel unter den Tisch, weil die Höchstbeträge für Vorsorgeaufwendungen durch die Kranken- und Pflegekassenbeiträge ausgeschöpft sind. Es gibt aber einen Trick: Man zahlt die Krankenversicherungsbeiträge für ein Jahr im Voraus. Das hat den Vorteil, dass man im Folgejahr die Beiträge zu den anderen Versicherungen steuerlich geltend machen kann. Das funktioniert allerdings nur bei privat Krankenversicherten. Bei gesetzlich versicherten Arbeitnehmern führt der Arbeitgeber die Beiträge automatisch jeden Monat ab.

KRANKHEITSKOSTEN

Krankheitskosten – Kuren, Medikamente, Physiotherapie, Brille – sollte man möglichst in einem Jahr konzentrieren. Steuerzahler müssen nämlich einen Teil ihrer außergewöhnlichen Belastungen selber tragen. Erst wenn die zumutbare Eigenbelastung überschritten ist, kann man Steuern sparen. Wo die Grenze liegt, richtet sich nach Einkünften, Familienstand und Anzahl der Kinder.

STEUERKLASSE ÄNDERN

Auch die richtige Wahl der Steuerklasse kann sich auszahlen, betont der Neue Verband der Lohnsteuerhilfevereine. Das gilt vor allem dann, wenn Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit drohen. Mit der günstigen Steuerklasse III (Verheiratete) oder Steuerklasse II (Alleinstehende mit Kind) kann man für eine höhere Unterstützung sorgen. Auch beim Elterngeld kann sich ein frühzeitiger Wechsel der Steuerklasse lohnen.

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