Wirtschaft : Verbraucher trauen dem Aufschwung nicht

GfK-Studie: Reformdebatte drückt die Stimmung im Oktober

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Berlin (pet/hop/brö). Die deutschen Verbraucher sind kurz vor Beginn des Weihnachtsgeschäftes noch nicht in Kauflaune – ganz im Gegenteil. Die Stimmung sei im Oktober wieder schlechter, hat die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in ihrem KonsumklimaIndikator ermittelt. Schuld daran sei der anhaltende Streit um Reformen und das Vorziehen der Steuerreform. Die schlechte Stimmung der Verbraucher färbt auch auf den Einzelhandel ab: „Das Weihnachtsgeschäft wird sicher nicht besser als im vergangenen Jahr“, sagte Robert Weitz, Chefvolkswirt beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandelsverbandes (HDE).

Die Unternehmer hatten das allgemeine Geschäftsklima im Oktober positiv eingeschätzt, wie der jüngste Ifo-Geschäftsklimaindex gezeigt hat. Dagegen sind die Verbraucher im Oktober wieder skeptischer geworden. Für ihre Studie befragt die GfK monatlich rund 2000 Personen. Sie schätzen unter anderem die gesamtwirtschaftliche Lage, ihre Anschaffungsneigung und ihre Einkommenserwartung ein.

Im Oktober hatten die Verbraucher den Eindruck, als sei die Erholung der Konjunktur wieder in weite Ferne gerückt, schreibt die GfK. In den Vormonaten waren sie noch sehr viel zuversichtlicher gewesen. Auch die Entwicklung ihres persönlichen Einkommens sahen Konsumenten pessimistischer. „Für die Verbraucher ist völlig unklar, was an Be- und Entlastung ihrer Einkommen Anfang 2004 tatsächlich auf sie zukommt“, erklärten die Marktforscher. Dementsprechend gering sei die Neigung, sich einen neuen Fernseher oder ein Auto zu kaufen. „Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Anschaffungsneigung zwar geringfügig erholt, jedoch lässt der insgesamt sehr niedrige Wert nichts Gutes für den Handel erahnen.“

Für den Handel ist die Politik nicht unschuldig an der schlechten Stimmung. „Die Nullrunde bei den Renten war ein Tabubruch“, sagt HDE-Chefvolkswirt Weitz. Die Menschen könnten nicht einschätzen, ob es weitere Einschnitte geben werde – und würden immer vorsichtiger. „Die Stimmung ist hin.“ Noch hofft der HDE aber auf ein positives Signal aus der Politik: Wenn die dritte Stufe der Steuerreform vorgezogen werde, hat Weitz ausgerechnet, dann sei 2004 ein Umsatzwachstum von einem Prozent im Handel möglich, wenn nicht, dann nur ein Wachstum von einem halben Prozent.

In Sorge sind auch die großen Kaufhäuser. „Wenn zum Vorziehen der Steuerreform nicht bald Fakten geschaffen werden, könnte wegen der allgemeinen Unsicherheit auch das Weihnachtsgeschäft leiden“, sagte Eva Strube, Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels (BAG).

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