Wirtschaft : Verbraucher verstehen die Riester-Rente nicht

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Alarmierende Zahlen hat am Montag der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) vor der Presse in Berlin vorgestellt. Danach sparen derzeit fast 45 Prozent der Deutschen nicht für die Altersvorsorge. Immerhin 15 Prozent planen allerdings, sich verstärkt darum zu kümmern. Dies sind die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage, die die Sparkassen anlässlich des Weltspartages am heutigen Dienstag, bei Emnid in Auftrag gegeben haben. Grafik: Vermögensbildung Negativ falle zudem auf, dass das Thema Vermögensbildung und Altersvorsorge nicht mehr so zentral im Bewusstsein der Öffentlichkeit stehe, wie im Jahr 2000, sagte das geschäftsführende Vorstandsmitglied des DSGV, Holger Berndt. Damals hielten 86 Prozent der Bevölkerung Vermögensbildung und Vorsorge für wichtig. Heute, ein Jahr nach dem Höhepunkt der Riester-Rente-Diskussion, halten es nur noch 75 Prozent der Deutschen für sehr wichtig oder wichtig, ihre Zukunft eigenverantwortlich finanziell abzusichern. Besonders hoch ist der Anteil nach wie vor bei den 30- bis 49-Jährigen. In der Altersgruppe halten es vier von fünf Deutschen für wichtig. Allerdings gibt es gerade von den 30- bis 39-jährigen auch die deutlichste Kritik.

Schließlich, so sagte Berndt, müsse auch eine weitere Zahl zu denken geben. Mehr als elf Prozent der Bevölkerung sehen sich wegen ihrer finanziellen Situation nicht in der Lage, wirtschaftliche Eigenvorsorge für das Alter zu treffen.

Natürlich haben die Sparkassen auch erfragen lassen, wo in Zukunft der Schwerpunkt ihrer Geschäftstätigkeit liegen könnte. Nur knapp ein Drittel der Deutschen fühlt sich bislang über die Riester-Rente gut oder sehr gut informiert. Gut 20 Prozent geben an, überhaupt nicht beziehungsweise schlecht informiert zu sein. Hier hätten die Sparkassen eine besondere Verantwortung. Sparkassenpräsident Dietrich Hoppenstedt kritisierte in diesem Zusammenhang die komplizierten Regelungen des Altersvermögensgesetzes. Es sei zwar richtig, dass der Staat an die Altersvorsorgeprodukte besondere Anforderungen hinsichtlich Qualität und Sicherheit stelle, die Regelungen müssten jedoch einfach und gut verständlich sein. "Vermögensbildung für alle", heiße auch, dass möglichst alle die Regelungen und Verfahren verstehen könnten. Das sei nicht gewährleistet, wenn der Zulagenantrag ähnlich kompliziert auszufüllen sei wie eine Steuererklärung - und das jedes Jahr. Hoppenstedt fügte hinzu, bei der Vermögensbildung handele es sich um eine Kernaufgabe und eine Kernkompetenz der Sparkassen und ihrer Verbundpartner. Menschen durch die Bildung - auch kleiner - Vermögen zur Selbsthilfe zu befähigen, sei schließlich der Grund für die Gründung der Sparkassen vor rund 200 Jahren gewesen.

Hoppenstedt mahnte, mit der Altersvorsorge keine Zeit zu verlieren. Die Sparkassen müssten leider feststellen, dass die Aufmerksamkeit an der Eigenvorsorge ihren Höhepunkt schon wieder überschritten habe. Es sei also im Interesse von Politik, Bürgern und Kreditwirtschaft, den noch vorhandenen Schwung zu nutzen. Zudem machte Hoppenstedt folgende Rechnung auf: Zehn Jahre Zuwarten bei der privaten Altersvorsorge bedeute eine Verdoppelung der monatlichen Aufwendungen, um im Alter die gleiche Zusatzrente zu erhalten.

Stärker engagieren wollen sich die Sparkassen in Zukunft auch in der betrieblichen Altersvorsorge. Die bisherigen Mehrfachansprachen durch einzelne Institute der Gruppe habe sich bei den kollektiven Abschlüssen nicht bewährt. Künftig wolle der DSGV mit einer Gemeinschaftseinrichtung antreten, in der die DGZ-Deka-Bank und die öffentlichen Versicherer paritätisch vertreten sind. Dieses neue Verbundunternehmen soll vom kommenden Monat an zentraler Ansprechpartner der Sparkassen-Finanzgruppe für die Tarifpartner sein.

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