Wirtschaft : Verbraucher warten beim Heizöl zu lange Experten rechnen mit Preisanstieg im Herbst

Bernd Hops

Berlin - Der hohe Ölpreis an den internationalen Börsen lässt den Verbrauchern langsam keinen Spielraum mehr, mit dem Kauf von Heizöl abzuwarten. Die Notierungen bewegen sich weiterhin nur knapp unter Rekordniveau. In New York kostete ein Barrel Rohöl (159 Liter) am Donnerstag rund 61,20 Dollar. Für Kontrakte zur Lieferung in den kommenden Monaten müssen sogar teilweise mehr als 64 Dollar gezahlt werden.

Eigentlich ist der Sommer die ideale Zeit für Konsumenten, sich mit dem Brennstoff für ihre Heizung einzudecken. In einem normalen Jahr sind dann die Preise für Heizöl niedrig. Doch 2005 ist angesichts immer neuer Rekorde an den Ölmärkten kein normales Jahr. Die meisten Verbraucher sind deshalb verunsichert. „Bisher ist keine größere Nachfrage festzustellen, wobei die Bevorratung eher schlecht ist“, sagte Rainer Wiek vom Fachblatt Energie-Informationsdienst (EID), das regelmäßig Umfragen unter Heizöllieferanten durchführt, dem Tagesspiegel. Dabei könne man damit rechnen, dass das heutige Preisniveau anhält. „Es wird voraussichtlich in den kommenden Monaten nicht besser“, sagte Wiek. Schorsch Tschürtz, Energiereferent beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv), sagte: „Zum Herbst rechne ich mit anziehenden Preisen.“

Die Entwicklungen beim Heiz- und beim Rohöl treiben sich gegenseitig. Mit Blick auf das jeweils hohe Niveau begründen Analysten auch jeweils neue Preisschübe. Beim Heizöl kosten 100 Liter im Bundesdurchschnitt – bei der üblichen Abnahme von 3000 Litern – rund 57 Euro. Anfang des Jahres lag der Preis noch bei 42 Euro, vor einem Jahr bei 44 Euro – und Anfang 2004 sogar bei lediglich 35,50 Euro. In diesem Jahr habe es einen kontinuierlichen Anstieg gegeben, sagte EID-Experte Wiek. Laut Mineralölwirtschaftsverband (MWV) ist der Absatz von leichtem Heizöl im ersten Halbjahr um fast acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Im Juni, dem letzten Monat mit exakten Daten, lag das Minus sogar bei rund 24 Prozent.

„Für viele Händler ist es eine Überraschung, wie lange die Leute ohne größere Bestellungen auskommen konnten“, sagte Wiek. Durch den geschrumpften Absatz sei die Verhandlungsposition der Kunden jetzt gut. „Die Händler müssen Umsatz machen.“ Die Folge: Listenpreise müssen nicht verbindlich sein. Wer handelt, kann – abhängig von Händler und Größe der Bestellung – einen Rabatt erhalten. „Wenn das Geschäft aber wieder anzieht, dann kann kaum noch verhandelt werden“, sagte Wiek.

Vzbv-Experte Tschürtz sagte, erfahrungsgemäß würden die Preise im Oktober und November steigen – und bis dahin rechne er auch nicht mit einem signifikanten Rückgang. Ein Mittel hätten Verbraucher aber, um den Preis zu drücken: Sammelbestellungen. Mit größeren Mengen sinke der Preis. In Nordrhein-Westfalen sei das schon erfolgreich von Konsumenten praktiziert worden, die nicht direkt nebeneinander wohnten, sagte Tschürtz.

Verbraucher, die nun froh sind, mit Erdgas statt Heizöl zu heizen, können sich nicht mehr lange freuen. In den letzten Monaten hatten sich die meisten Versorger mit Preiserhöhungen zurückgehalten. Wegen der gestiegenen Einkaufskosten „dürfte aber spätestens zum 1. Oktober die nächste Preiswelle kommen“, schätzte EID-Experte Wiek.

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