Verbraucher : Wenn im Pudding Schokolade fehlt

Um möglichst viele ihrer Produkte zu verkaufen, ist der Lebensmittelindustrie jedes Mittel recht – auch Etikettenschwindel und Rechentricks. So zumindest lautet der Vorwurf von Verbraucherschützern.

David Lerch

Düsseldorf - Die privat geförderte Verbraucherorganisation „Foodwatch“, die regelmäßig Lebensmittel überprüft, warf den Herstellern am Mittwoch vor, ihre Produkte bewusst schönzurechnen, um sie als besonders hochwertig, kalorienarm und geschmackvoll bewerben zu können. Ähnlich sehen das auch die staatlich unterstützten Verbraucherzentralen. „Durch viele Beschwerden von Kunden ist uns aufgefallen, dass auch mit irreführenden Bezeichnungen auf Lebensmitteln Verbraucher gezielt zum Kauf getrieben werden sollen“, sagte Claudia Michehl, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg.

Als besonders dreistes Beispiel empfindet Foodwatch einen Schokoladenpudding von Dr. Oetker mit dem Namen „Pur Choc“. Auf dessen Verpackung wird mit der Aufschrift „75 Prozent Kakao in der Schokolade“ und für die Schokoladensorte „Tansania edelbitter“ geworben – tatsächlich seien jedoch nur knapp zwei Prozent Kakao in einem Pudding enthalten. Zudem ließe der Begriff „edelbitter“ auf eine besondere Qualität schließen, die nicht gerechtfertigt sei. „Ein Blick auf die Verpackung lässt Schokoladenliebhaber dahinschmelzen, bei genauem Nachrechnen aber schmilzt der vermeintlich riesige Anteil Tansania-Kakao bis auf einen winzigen Rest zusammen“, sagte Henrik Düker von Foodwatch.

Ein Sprecher von Dr. Oetker bestätigte den von Foodwatch errechneten Kakaoanteil und erklärte diesen mit der Konsistenz und dem Geschmack: „Wenn ein Pudding zu 75 Prozent aus Kakao besteht, ist es kein Pudding mehr. Das würde sich im Mund staubig und trocken anfühlen“. Eine Täuschung der Verbraucher erkennt er darin nicht. Entsprechende Rückmeldungen von Kunden habe es auch bisher nicht gegeben. Das betreffe auch die Werbung für edelbittere Schokolade, die keinesfalls mit Edelschokolade gleichzusetzen sei. Mit „Pur Choc“ reagierte Dr. Oetker im April dieses Jahres auf ähnliche Produkte der Konkurrenten Bauer und Ehrmann. Die Verkaufszahlen seien bisher durchaus zufriedenstellend, sagte der Konzernsprecher.

Auch die Informationspolitik anderer Hersteller kritisierte Foodwatch am Mittwoch scharf. So verspreche Haribo bei den Gummibärchen „Fruity-Bussi“ 35 Prozent Frucht in der Füllung. Da diese aber sehr gering ausfalle, sinke der Fruchtanteil insgesamt auf unter fünf Prozent. Der Hersteller Müller betone bei seinem „Joghurt mit der Buttermilch“ den Anteil von nur einem Prozent Fett, der hohe Zuckergehalt von fast 15 Prozent werde dagegen verschwiegen.

Torben Erbrath vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie sieht darin keinen Etikettenschwindel. Aus seiner Sicht müssen Lebensmittelkonzerne inzwischen eine Fülle von Angaben auf der Rückseite der Produkte machen. Die Vorderseite biete hingegen den notwendigen Freiraum für den Wettbewerb. „Wer wissen will, was die Produkte enthalten, muss eben auf die Rückseite schauen“, sagte Erbrath. David Lerch

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