Wirtschaft : Verbraucher wollen Geld ausgeben

Die Konsumlaune der Deutschen hat einen Rekordstand erreicht – auch wegen der bevorstehenden Mehrwertsteuererhöhung

Maren Peters

Berlin - Anhaltend hohes Vertrauen in die Regierung, die für 2007 geplante Mehrwertsteuererhöhung und hohe Tarifabschlüsse in der Metall- und Elektroindustrie haben die Kauflaune der Deutschen in ungeahnte Höhen getrieben. Der Konsumklima-Index des Nürnberger GfK-Instituts (siehe Kasten) stieg im Mai auf den höchsten Stand seit fünf Jahren. Die Neigung, größere Dinge anzuschaffen, sei sogar auf einen noch nie da gewesenen Rekordwert geklettert, berichteten die GfK-Experten am Montag. Nach 5,8 Punkten im Mai ermittelte die GfK für Juni einen Konsumklimaindex von 6,8 Punkten. Einen so hohen Wert hatte der Indikator zuletzt Ende 2001 erreicht.

Damit sehen die Verbraucher deutlich optimistischer in die Zukunft als die Wirtschaft. Sowohl das Geschäftsklima des Münchner Ifo-Instituts als auch das Konjunkturbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hatten nach Höchstständen in den Vormonaten zuletzt einen leichten Rückgang verzeichnet. Trotzdem liegen beide Indikatoren, die auf Umfragen bei Unternehmern und Finanzmarktexperten beruhen, weiter über ihren langjährigen Durchschnittswerten.

„Das Konsumklima der Verbraucher ist in der Tendenz ein bisschen nachlaufend“, sagte Commerzbank-Volkswirt Matthias Rubisch. Bislang sei die Verbesserung des Konsumklimas vor allem bei den Unternehmen zu spüren gewesen, jetzt sei sie auch bei den privaten Verbrauchern angekommen. Für das Gesamtjahr erwartet er einen Anstieg des privaten Konsums um 0,5 Prozent nach einer Stagnation im Vorjahr. Das erwartet auch GfK-Experte Rolf Bürkl. Der private Konsum werde aber noch lange nicht in dem Maße zum Wirtschaftswachstum beitragen wie der Export, sagte er.

Nach der GfK-Umfrage Anfang April, die dem Konsumklimaindex zugrunde liegt, planten gut 13 Prozent, größere Einkäufe vorzuziehen. Auch die von Marktforschern erwarteten Preissteigerungen vor der Mehrwertsteuererhöhung können sie dabei offenbar nicht schrecken. Noch hat das Statistische Bundesamt dafür aber keine Anhaltspunkte, hieß es auf Nachfrage. Bei Unterhaltungselektronik, bei der auch wegen der Fußball-WM eine verstärkte Nachfrage erwartet wird, gab es im April sogar einen durchschnittlichen Preisrückgang von 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

So positiv sich diese neu erwachte Konsum- und Anschaffungsneigung im Moment auch auswirke, so kritisch seien die Aussichten für die Zeit danach zu beurteilen, warnen die Experten. „So richtig kommen wir beim privaten Verbrauch aus dem Keller nicht heraus“, sagte Commerzbank-Analyst Rubisch. Auch ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann rechnet nicht mit „euphorischen Aufbrüchen“. Noch profitiere der Konsum vom „Merkel-Effekt“, dem Vertrauensvorschuss der neuen Regierung, sagte er. Doch schon bald werde der Verbraucher realisieren, dass er durch Steuererhöhungen, die Kürzung der Pendlerpauschale und die Halbierung des Sparerfreibetrages ab 2007 weniger Geld in der Tasche habe. „Dann wird das Vertrauen bröckeln. Und die Leute werden weniger kaufen“, sagte Heinemann. Das befürchtet auch der Handelsverband HDE. Neben der dämpfenden Wirkung durch die Mehrwertsteuererhöhung hänge die Entwicklung vor allem von der Situation auf dem Arbeitsmarkt ab, sagte ein Sprecher am Montag.

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