Wirtschaft : Verbrauchern geht ein Licht auf

Die Klimadebatte zeigt Wirkung beim Konsum. Umwelthilfe fordert Kfz-Strafsteuer für Spritfresser

Henrik Mortsiefer

Berlin - Geländewagen und andere spritfressende Autos sollten nach dem Willen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) mit einer Kfz-Strafsteuer belegt werden. Oberhalb von 210 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß je Kilometer solle dies durch einen steileren Anstieg der Steuersätze geschehen, forderte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch am Montag in Berlin. Die Verbraucher sind nach einer neuen GfK-Studie offenbar bereit, mögliche höhere Belastungen bei ihren Konsumentscheidungen zu berücksichtigen. Nicht nur beim Autokauf soll das Thema Klimaschutz demnach eine größere Rolle spielen.

Bei der zum 1. Januar 2008 geplanten Umstellung der Kfz-Steuer von der Hubraum-Basis auf Abgasstufen und CO2-Ausstoß solle die Bundesregierung auf gleich bleibende Steuersätze verzichten, forderte die DUH. Andernfalls würden Fahrer von Autos mit hoher Verschmutzung sogar entlastet. Steueranreize müsse es vielmehr für Personenwagen mit besonders niedrigen CO2-Werten geben und eine stärkere Besteuerung oberhalb von 140 Gramm CO2. Die deutschen Autobauer liegen laut DUH mit 172,5 Gramm pro Kilometer im Jahr 2006 besonders weit vom EU-Zielwert entfernt. Danach muss die CO2-Emission im Schnitt bis 2012 auf 130 Gramm pro Kilometer gesenkt werden.

DUH-Geschäftsführer Resch verlangte vom neuen Präsidenten des Automobilverbandes VDA, Matthias Wissmann (CDU), die Einhaltung der Grenzwerte schärfer zu kontrollieren. Er kritisierte zudem Wissmanns Vorschlag für einen linearen Verlauf der geplanten Kfz-Besteuerung auf CO2-Basis. Außerdem warnte die DUH die Autoindustrie vor „falschen“ Angaben über den Spritverbrauch. Die Kennzeichnung des Verbrauchs für den Autokauf müsse nach Effizienzklassen wie bei Kühlschränken und Waschmaschinen erfolgen. Oft stimme nur der Spritverbrauch im Testzyklus der Hersteller, nicht aber bei normalen Alltagsfahrten.

Die DUH legte einen „Marshallplan“ vor, um einen klimaschonenderen Autoverkehr zu ermöglichen: Dazu gehören Warnaufkleber für besonders schädliche Fahrzeuge sowie die Forderung nach einem Werbeverbot für emissionsstarke Pkw und nach einem Tempolimit.

Die DUH zielt damit auf das geschärfte Umweltbewusstsein der Verbraucher. Nach aktuellen Erkenntnissen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) will etwa jeder dritte Deutsche einen sparsameren Neu- oder Gebrauchtwagen kaufen und insgesamt weniger mit dem Auto fahren. Mit 35 Prozent wollen Frauen öfter aufs Auto verzichten als Männer (29 Prozent). Das Flugzeug wollen 35 Prozent der Konsumenten zukünftig seltener benutzen. Interessant für die Hersteller: Insbesondere die Verbraucher in gehobenen Einkommensverhältnissen und ältere Menschen im Ruhestand (jeweils 38 Prozent) sind bereit, ihre Lebensgewohnheiten zu ändern. Das betrifft nicht nur den Autokauf.

Vier von fünf Verbrauchern wollen demnach Elektrogeräte nicht mehr im Stand-by-Betrieb eingeschaltet lassen und herkömmliche Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzen. 59 Prozent der von der GfK Befragten beabsichtigten, sich Haushaltsgeräte mit einem geringeren Stromverbrauch anzuschaffen. 57 Prozent wollen im Einkaufsregal nach regionalen Produkten greifen. Knapp ein Drittel der deutschen Konsumenten sieht eine niedrigere Raumtemperatur als eine weitere Möglichkeit, den Energieverbrauch zu reduzieren. Die Wärmedämmung der Wohnung oder des Hauses möchte jeder Vierte verbessern. Mit dem Einbau einer neuen Heizungsanlage wollen 16 Prozent der Deutschen einen Beitrag leisten. In den alten Bundesländern sind 17 Prozent zu dieser Investition bereit, in den neuen Bundesländern hingegen nur knapp ein Zehntel.

Jeder zweite deutsche Verbraucher hält die weltweiten Folgen der globalen Erwärmung der Umfrage zufolge von den Klimaforschern für realistisch dargestellt. Mehr als ein Drittel äußerte sogar die Ansicht, dass die Situation heute bereits schlimmer sei als von der Wissenschaft beschrieben. Lediglich eine Minderheit von 13 Prozent hält die Diskussion für völlig überzogen. mit dpa/AFP

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