Verbraucherschutz : Klarheit über Analogkäse und Co.

Verbraucher sollen bald leichter sehen können, was in Lebensmitteln steckt. Europa hat sich auf neue Regeln für die Kennzeichnung verständigt.

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Nährwerttabellen gibt es schon heute – auf freiwilliger Basis.
Nährwerttabellen gibt es schon heute – auf freiwilliger Basis.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Berlin - Mehr als drei Jahre hat es gedauert, jetzt hat sich Europa auf neue Regeln für die Kennzeichnung von Lebensmitteln verständigt. Am vergangenen Mittwoch gaben der EU-Ministerrat dem Paket seine Zustimmung, am 6. Juli ist das Europaparlament am Zug. „Ich gehe davon aus, dass die Parlamentarier zustimmen“, sagte die deutsche Europa-Abgeordnete Renate Sommer dem Tagesspiegel. Die CDU-Abgeordnete hatte als Berichterstatterin des Europäischen Parlaments die neue Lebensmittel-Verordnung federführend ausgehandelt.

„Wir haben unglaublich viel erreicht“, meint Sommer. Das findet auch Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). „Die neuen Kennzeichnungsvorschriften sorgen für mehr Transparenz“, sagte die Ministerin. Das soll mithilfe einer Vielzahl von neuen Vorschriften geschehen (siehe Kasten).

Mit ihrer neuen Verordnung reagieren die Politiker auf die Lebensmittelskandale der vergangen Jahre. Analogkäse, der keine Milch enthält sondern Pflanzenfett, soll in Zukunft deutlich gekennzeichnet werden. Dasselbe soll für „Klebefleisch“ gelten, bei dem der Schinken aus Resten zusammengefügt wird und nicht aus einem gewachsenen Stück besteht. „Wenn sich die Mehrheit der Mitgliedstaaten für eine Kennzeichnung der Imitate ausspricht, ist das ein wichtiger Schritt zum Schutz der Verbraucher vor Täuschung“, betont Aigner.

Die neue Verordnung ist der zweite Anlauf, die Lebensmittelkennzeichnung in Europa zu vereinheitlichen. Verbraucherschützer hatten sich vehement für die Einführung einer Lebensmittelampel eingesetzt. Diese sollte Verbrauchern mithilfe der Ampelfarben rot, gelb und grün auf einen Blick zeigen, wie fett- oder zuckerhaltig Lebensmittel sind. Doch das Europarlament schmetterte die Ampel ab. „Die Ampel war nicht für alle Lebensmittel geeignet“, begründet Renate Sommer das Nein der Parlamentarier. Grundnahrungsmittel wie Olivenöl kämen bei dieser Kennzeichnung zu schlecht weg.

Das sieht Verbraucherschützer Armin Valet anders. „Die nackten Zahlen in der Nährwerttabelle sagen den Leuten nichts“, kritisiert der Ernährungsexperte der Verbraucherzentrale Hamburg, „die Ampel wäre besser gewesen“. Aber das ist nicht die einzige Kritik. Auch die geplante Herkunftsbezeichnung reicht Valet nicht. Sie dürfe nicht nur – wie beschlossen – für Frischfleisch gelten, sondern auch für verarbeitete Produkte. „Das Fleisch in den Chicken Nuggets kommt meist aus Brasilien oder Thailand“, sagt Valet, „im Billigsegment wird kein Fleisch aus Deutschland verarbeitet“. Auch bei Milchprodukten stehe auf der Verpackung nur, welcher Betrieb die Zutaten letztlich zusammengemixt hat. „Das heißt aber nicht, dass die Milch aus Deutschland stammt.“

Ob die Hersteller von Chicken Nuggets oder Milchreis künftig angeben müssen, woher sie ihre Zutaten beziehen, ist noch unklar. Vor einer Entscheidung will Brüssel die Kosten und Nutzen einer solchen Regelung untersuchen lassen. Mit einem Ergebnis ist frühestens in zwei Jahren zu rechnen. Bei der aktuellen Abstimmung bleiben verarbeitete Produkte und Milchspeisen erst einmal außen vor.

Verhandlungen und Nachbesserungen sind bei der neuen Verordnung jetzt nicht mehr möglich. Daran lässt Europapolitikerin Sommer keinen Zweifel. „Das ist ein festes Paket“, betont sie. Und das haben viele Beteiligte geschnürt – die EU-Kommission, die Mitgliedsländer und die Vertreter der im Europaparlament vertretenen Fraktionen. „Da darf nichts mehr zwischenkommen“, sagt Sommer. Heike Jahberg

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