Verbraucherzentrale Berlin : Viel Ärger mit dem Smartphone

Verbraucherschützer hatten im vergangenen Jahr in Berlin viel zu tun. Vermeintlich günstige Mobilfunkverträge, dubiose In-App-Käufe und Probleme mit dem neuen Beitragsmodell der Rundfunkgebühr bereiteten Berlinern Probleme.

Alexander Triesch
Bei InApp-Käufen kann es teuer werden. Verbraucher werden oftmals von den hohen Kosten überrascht.
Bei InApp-Käufen kann es teuer werden. Verbraucher werden oftmals von den hohen Kosten überrascht.Foto: DPA

Das Internet kann nicht alle Fragen beantworten. Im Gegenteil: Bei der Verbraucherzentrale Berlin (VZB) sorgt die Digitalisierung des Lebens vor allem für Anfragen. Das wurde bei der Vorstellung des VZB-Tätigkeitsberichts 2014 am Dienstag deutlich. Die Verbraucherschützer haben im vergangenen Jahr insgesamt rund 23 000 Menschen in persönlichen Gesprächen beraten - knapp drei Prozent mehr als noch 2013. „Gerade in Zeiten in denen viele skurrile, selbsternannte Experten ihre Ratschläge über das Internet verbreiten, ist kompetente und unabhängige Information gefragt“, sagte Eva Bell, Vorstandsmitglied der Verbraucherzentrale Berlin. Ein großer Teil der Gespräche, mehr als 6200 an der Zahl, entfielen auf Beratungen zum Verbraucherrecht. Im Vorjahr waren es noch 4700 gewesen. Dabei ging es meist um Fragen zu Handyverträgen und sogenannte In-App-Verkäufe, bei denen Verbraucher am Smartphone kostenpflichtige Erweiterungen von Drittanbietern herunterladen. „Das geschieht ganz schnell und völlig unbemerkt“, sagt Bell. Die Verbraucherschützer helfen dann bei einer Widerrufserklärung und der Rückforderung des Geldes.

„Ärger mit den Stromversorgern gehört zu unserem Alltag“

Viele Mobilfunkverträge seien außerdem nur auf den ersten Blick billig. Und einem Großteil der Kunden sei nicht klar, dass sie oftmals zwei Verträge abschließen – sowohl mit dem Mobilfunkanbieter als auch mit dem Smartphone-Händler, und das meist für 24 Monate. „Eine fristlose Kündigung wird dann meist nicht einfach so anerkannt.“ Zudem bestünde Beratungsbedarf beim Anbieterwechsel. Denn wenn der Übergang nicht fließend verläuft, müssten Verbraucher manchmal Tage oder gar Wochen ohne einen Festnetz- oder Internetanschluss auskommen. Viel Arbeit machte 2014 auch das Thema Energie. „Ärger mit den Stromversorgern gehört zu unserem Alltag“, sagte Bell. Mehr als 1500 Fälle konnte die Verbraucherzentrale verzeichnen.

Verbraucherschützer setzen sich für Gruppenklagen ein

Die Menschen würden gezielt Informationen zum Anbieterwechsel suchen. So würden Unternehmen, denen die Insolvenz droht, mit besonders günstigen Konditionen locken und dann hohe Vorauszahlungen verlangen. „Die Kundenakquise wird oftmals per Telefon abgewickelt und das ist unzulässig“, sagte die Verbraucherschützerin. Besonders betroffen seien ältere Menschen. „Wir setzen uns dafür ein, dass Verbraucher in solchen Fällen auch per Gruppenklage vor Gericht ziehen können.“ Bislang ist das nicht möglich.

Neben Telekommunikation und Energie berieten die Verbraucherschützer auch zu Themen wie Versicherungsrecht, Baufinanzierung oder Ernährung. Durch die Reform der Rundfunkgebühr nahm auch hier das Interesse zu. In mehr als 800 Fällen informierte die Behörde über die neuen Modalitäten, das war ein Zuwachs von fast 70 Prozent.

Islamkonforme Bank eröffnet im Juli - Vorbereitungen laufen

In mehr als 3800 Vorträgen, Messen und Aktionstagen suchte die Zentrale den Kontakt zu den Verbrauchern. Einmal pro Monat gab es außerdem eine Rechtsberatung in russischer und türkischer Sprache. Dort informierte die VZB unter anderem über Kostenfallen in sogenannten Ethno-Verträgen; spezielle Mobilfunktarife, mit denen Migranten günstiger in ihr Herkunftsland telefonieren können. Neue Zielgruppen ansprechen – darum geht es auch im Bereich Anlagenberatung. Wenn zum 1. Juli in Berlin die KT Bank eröffnet, wollen die Mitarbeiter vorbereitet sein. Das Tochterunternehmen der Kuwaitisch-Türkische Beteiligungsbank will islamkonforme Finanzdienstleistungen in Berlin anbieten, also: Transparente Anlageformen ohne Geldzins und spekulative Geschäfte. „Streng muslimische Verbraucher werden herkömmliche Finanzprodukte mit schariakonformen Konstrukten vergleichen wollen.“, sagte Bell dazu.

5 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben