Wirtschaft : Verbundnetz Gas profitiert vom langen Winter

Gewinnerwartungen übertroffen / Ergasanteil im Osten wächst

Leipzig (ms).Die Verbundnetz Gas AG (VNG), mit 3,31 Mrd.DM Umsatz und 1168 Beschäftigten eines der größten Unternehmen in den neuen Bundesländern, hat im vergangenen Geschäftsjahr mit einem erstmalig ausgewiesenen Gewinn von 27 Mill.DM das ursprünglich gesetzte Ziel fast um das Doppelte übertroffen.Wie Vorstandsvorsitzender Klaus-Ewald Holst auf der Bilanzpressekonferenz am Dienstag in Leipzig mitteilte, werde jedoch auch der geplante Überschuß der nächsten Jahre noch benötigt werden, um den mit 395 Mill.DM bezifferten Verlustvortrag aus der Anlaufphase auszugleichen.Mit einer Dividendenausschüttung - wichtige Anteilseigner sind die Rhurgas AG, eine Gemeinschaft aus ostdeutschen Stadtwerken und die Wintershall - sei erst nach der Jahrtausendwende zu rechnen. Nach den riesigen Anfangsinvestitionen für die Umstellung von Stadt- auf Erdgas sowie in das heute rund 8000 Kilometer lange Fernleitungsnetz (1995: 288 Mill.DM, 1996: 211 Mill.DM) will der mit einem deutschlandweiten Marktanteil von 15,7 Prozent im Osten dominierende Versorger jetzt kürzer treten: "Wir haben nunmehr eine sichere Anbindung an die Netze in Ost- und Westeuropa und denken, daß wir bei den Investitionen unter 200 Mill.DM jährlich bleiben können" so Holst.Wirtschaftlich besonders günstig für VNG wirkten sich im Vorjahr der kalte Winter und die gestiegenen Heizölpreise aus.Dazu kamen einige neue Großverträge im Kraftwerksektor vor allem für Stadtwerke.Obwohl wichtige Versorgungsverträge mit Industriekunden geschlossen werden konnten, etwa mit der Bewag, den Stickstoffwerken Piesteritz oder der Leuna GmbH, stagnierte in diesem Bereich der Absatz.Vorteile zieht VNG vor allem aus der hohen Akzeptanz von Erdgas im Wohnbereich: Erstmals lag der Anteil der indirekt über Fernwärme aus Gas oder direkt mit Erdgas geheizten Wohnungen bei 54 Prozent.Der ostdeutsche Primärenergiemarkt wird mittlerweile zu 26 Prozent durch Erdgas bestritten, das sind rund fünf Prozent mehr als in den alten Bundesländern.1991 lag der Wert noch bei acht Prozent. Hauptlieferanten für VNG sind Rußland und Deutschland sowie seit 1996 auch Norwegen.Über einen neuen Übergabepunkt bei Frankfurt (Oder) kann VNG zudem als erstes deutsches Unternehmen über das noch im Bau befindliche "Jarmal-System" russisches Gas beziehen.Zugleich ist VNG Transitdienstleister für tschechische Kunden, die norwegisches Gas über das Verbundsystem beziehen.1997 rechnet VNG mit einem steigenden Umsatz (3,5 Mrd.DM) und leicht verbesserten Betriebsergebnis.

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