Verdacht auf Datenklau : Banken ziehen 100.000 Kreditkarten ein

Wegen möglichen Datenmissbrauchs haben deutsche Banken in großem Umfang Kreditkarten zurückgerufen. Betroffen sind vor allem Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken. Das Datenleck ist in Spanien aufgetreten. Auch die Postbank tauscht Karten aus - Kunden hatten Unregelmäßigkeiten entdeckt.

Der massenhafte Austausch von Kreditkarten wegen  eines mutmaßlichen Datendiebstahls erfolgt möglicherweise nicht nur  vorsorglich. Die Postbank bestätigte am Mittwoch, sie habe bei ihren  Kunden erste Unregelmäßigkeiten festgestellt. Es handele sich bisher nur „um ein geringes Maß“, sagte Postbank-Sprecher Ralf Palm am Donnerstag in Bonn. Es habe Kundenbeschwerden über Unregelmäßigkeiten und Fehlbeträge gegeben, und auch die Bank selbst habe solche  Unregelmäßigkeiten bereits entdeckt. Die Karten der betroffenen Kunden seien gesperrt und ausgetauscht worden. Dies werde auch geschehen, wenn weitere  Unregelmäßigkeiten gefunden oder reklamiert würden. Bislang hatte es beim Zentralen Kreditausschuss (ZKA) von Banken  und Sparkassen geheißen, der Austausch der Karten erfolge rein vorsorglich.

Aus Angst vor Datenmissbrauch haben die Banken die bislang größte Umtauschaktion von Kreditkarten in Deutschland gestartet. Allein die Volks- und Raiffeisenbanken zögen wegen des Verdachts auf Datenklau bei einem Dienstleister in Spanien rund 60.000 der von ihnen ausgegebenen Kreditkarten aus dem Verkehr, berichtet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf den genossenschaftlichen Bankenverband BVR. Damit steige die Zahl der vorsorglich eingezogenen Karten auf mehr als 100.000.

Der derzeitige massenhafte Austausch von Kreditkarten beunruhigt Bankkunden in Deutschland. Nach Angaben des Bankgewerbes ist der Einzug und Umtausch der Kreditkarten rein präventiver Natur. Befürchtet wird ein Betrug mit gefälschten Überweisungen. Die deutsche Kreditwirtschaft habe auf eine Warnmeldung von Visa und Mastercard reagiert. Danach sei ein "Angriff bei einem spanischen Unternehmen auf Kreditkartendaten deutscher Kunden" möglich. Die Kunden müssten für eventuelle Schäden nicht haften, hieß es.

Lufthansa: Keine konkreten Schäden

Die Karstadt-Quelle Bank hatte den Angaben zufolge bereits im Oktober 15.000 Plastikkarten aus dem Verkehr gezogen. In der Vorwoche gab die Deutschlandtochter von Barclays bekannt, ebenfalls Tausende Karten auszutauschen. Am Wochenende räumte zudem die Lufthansa ein, Tausende ihrer Miles-and-More-Karten mit Bezahlfunktion zurückzunehmen. Auch ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigte, dass derzeit mehr Kreditkarten ausgetauscht würden als üblich.

"Wir haben in den vergangenen vier Wochen die Karten von Kunden vorsorglich ausgetauscht, die in diesem Jahr in Spanien damit bezahlt haben oder bei Händlern mit Sitz in Spanien", sagt Amelie Schwierholz, Sprecherin der Lufthansa. Konkrete Schäden habe es aber nicht gegeben. Betroffen seien einige Tausend. Die Kunden hätten eine neue Kartennummer erhalten. Die Lufthansa kooperiert mit der DKB-Bank, die die ausgegebende Bank ist.

Spanien-Reisende sollten Karte vorsorglich austauschen

Gefährdet sind nach FTD-Informationen nicht nur Karten, die in Spanien genutzt wurden. Betroffen sein könnten auch Kreditkarten, die beim Einkauf in Deutschland eingesetzt wurden, wenn der Handelspartner seinen Zahlungsverkehr über den Dienstleister in Spanien abgewickelt hat. Insbesondere bei Großunternehmen gibt es den Trend, Dienstleistungen wie den Zahlungsverkehr zu zentralisieren.

Nach Angaben des Zentralen Kreditausschusses (ZKA) von Banken und Sparkassen, müssen nicht alle Reisenden, die in den vergangenen Monaten in Spanien ihre Kreditkarte benutzt haben, diese austauschen. Sprecher Steffen Steudel erläuterte, die Kreditkartenunternehmen Mastercard und Visa hätten den Banken Listen mit den Nummern der gefährdeten Kreditkarten übermittelt. Betroffen sein können Kunden aller deutschen Banken. (ctr/sf/jg/dpa)

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