Wirtschaft : Verdacht auf illegale Geldtransfers: die Staatsanwaltschaft durchsucht die Chefetage

Bei den bundesweiten Ermittlungen wegen illegaler Geldtransfers ins Ausland und Steuerflucht hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag die Vorstandsetage der Westdeutschen Landesbank (WestLB) in Düsseldorf durchsucht. Dabei seien die Arbeitsplätze und Wohnungen von vier Vorstandsmitgliedern und zwei ehemaligen Vorständlern ins Visier genommen worden, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Johannes Mocken. Wie aus Ermittlungskreisen zu erfahren war, soll auch Vorstandschef Friedel Neuber betroffen sein.

Es bestehe der Verdacht, dass die Manager an der illegalen Verschiebung von Kundengeldern nach Luxemburg und in die Schweiz beteiligt waren. Dabei sollen nach dem Vorwurf der Behörden nicht einzelne Bankberater auf eigenen Entschluss gehandelt haben. Die anonymisierten Überweisungen sollen auch aus der Vorstandsetage systematisch gesteuert worden sein, sagte Mocken. Die WestLB bezeichnete die Vorwürfe als "völlig unbegründet". "Der Vorwurf, dass Mitarbeiter der Bank von einer Steuerhinterziehungsabsicht ihrer Kunden beziehungsweise von Kunden der Sparkassen ausgehen mussten, wird zurückgewiesen", heißt es in einer Mitteilung. Der Verdacht gegen die Vorstandsmitglieder werde ausschließlich durch die jeweilige Ressortzuständigkeit begründet. Die WestLB sei nach wie vor davon überzeugt, dass sie ihre rechtlichen Verpflichtungen erfüllt habe.

Die Düsseldorfer Ankläger ermitteln seit fünf Jahren federführend gegen Kunden und Bankmitarbeiter zahlreicher Geldinstitute wegen Steuerhinterziehung beziehungsweise Beihilfe. Die meisten verschleierten Transfers liefen in den Jahren 1992 und 1993, weil ab Januar 1993 die Zinsabschlagsteuer fällig wurde. Inzwischen wird von der Düsseldorfer Anklagebehörde gegen mehr als 2600 Bankkunden und rund 300 Bankmitarbeiter verschiedener Institute ermittelt. Betroffen sind neben der WestLB die Dresdner Bank, zahlreiche Sparkassen, das Bankhaus Trinkaus & Burckhardt und die Lampe Bank.

Erst im vergangenen März waren zwei Manager der Dresdner Bank wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu jeweils einem Jahr Haft auf Bewährung und Geldauflagen in Millionenhöhe verurteilt worden. Die Dresdner Bank und vier weitere ehemalige und amtierende Vorstandsmitglieder mussten Geldbußen von insgesamt knapp 40 Millionen Mark zahlen. Im Gegenzug waren die Ermittlungen gegen Mitarbeiter des Geldinstituts gegen Geldauflagen eingestellt worden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben