Wirtschaft : Verdacht auf Insiderhandel bei der IKB Durchsuchungen bei Managern der Bank

Frankfurt am Main - In der Affäre bei der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB ermittelt die Justiz nun auch wegen Insidergeschäften. Die Ermittler durchsuchten deshalb Privatwohnungen von mehreren Managern, schreibt das Magazin „Focus“ unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft Düsseldorf. Zuvor war schon bekannt geworden, dass gegen zwei frühere Vorstandsmitglieder, einen amtierenden Vorstand und drei weitere Banker wegen des Verdachts auf Untreue ermittelt wird.

„Es besteht der Verdacht, dass es möglicherweise Insidergeschäfte gegeben hat“, zitierte das Magazin Oberstaatsanwalt Arno Neukirchen. Von Insidergeschäften wird gesprochen, wenn etwa Manager ihre Kenntnis über die Lage ihres Unternehmens nutzen, um mit Aktien der Firma gute Geschäfte zu machen. Dem Magazin zufolge wird insgesamt gegen sieben Personen ermittelt, zehn Privatwohnungen seien am Mittwoch durchsucht worden. Der von der staatlichen Förderbank KfW eingesetzte Interimsvorstand lasse zudem Ansprüche auf Schadenersatz prüfen. Die Staatsanwaltschaft war am Samstag nicht zu erreichen.

Die IKB war als erste Bank in Deutschland in den Sog der Krise auf dem US-Immobilienmarkt geraten. Seit Jahresanfang ist der Börsenwert des Kreditinstituts von 2,7 Milliarden Euro auf rund 700 Millionen Euro gesunken. Die KfW-Bankengruppe, die rund 38 Prozent an der IKB hält, will ihren Anteil nun verkaufen. Zuvor hatte die KfW ihre Risikovorsorge um 2,3 Milliarden Euro auf 4,8 Milliarden Euro erhöht.

Auch der WestLB droht dem „Focus“ zufolge in diesem Jahr ein Milliardenverlust wegen der Krise. Die Landesbank erwarte ein Minus von mindestens 800 Millionen Euro. Demnach könnte sogar ein Verlust von einer Milliarde Euro auflaufen. Ein WestLB-Sprecher wollte dies nicht kommentieren. Er sagte lediglich, die bisherige Prognose habe weiter Bestand. Demnach erwartet die Bank wegen der Krise für 2007 vor Steuern einen Verlust im niedrigen dreistelligen Millionenbereich nach einem Gewinn von fast 800 Millionen Euro im Vorjahr.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will sich von ihrem 38-prozentigen WestLB-Anteil trennen. Wie das Magazin weiter berichtet, will NRW seine Landesbank mit der NordLB fusionieren. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Finanzminister Helmut Linssen (beide CDU) würden demnächst darüber mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) verhandeln. Unterstützt von einem kommende Woche erwarteten Gutachten der Citigroup wolle Rüttgers zudem die Sparkasse Düsseldorf mit der WestLB fusionieren. Außerdem plane NRW den Kauf der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB. Für diese Investition sei aber eine Kapitalerhöhung aller Eigentümer nötig.

Eine Sprecherin des NRW-Finanzministeriums wollte den Bericht am Samstag nicht kommentieren. Sie verwies nur darauf, dass das Gutachten erst nächste Woche erwartet werde. „Solange es kein Gutachten gibt, gibt es auch noch keine Entscheidung“, sagte sie. Tsp/AFP/dpa

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