Wirtschaft : Verdi: An den Vorsitzenden wird die Fusion nicht scheitern

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Angesichts der Schwierigkeiten, die etwa Großbanken mit Fusionen haben, beeindruckt die Unbeirrbarkeit der Verdi-Gründer: Anders als Konzernlenker können die fünf Gewerkschaftsvorsitzenden ihr Konzept für die neue große Dienstleistungsgewerkschaft den eigenen Organisationen nicht einfach verordnen. Störende Landesverbände können sie nicht wie überzählige Tochtergesellschaften einfach abstoßen.

Herbert Mai (ÖTV), Roland Issen (DAG), Margret Mönig-Raane (HBV), Kurt van Haaren (Postgewerkschaft) und Detlef Hensche (IG Medien) müssen bei jeder Entscheidung über die Struktur der geplanten Großgewerkschaft prüfen, ob es dafür in der eigenen Organisation eine demokratische Mehrheit gibt. Und anders als auf der Fusions-Hauptversammlung einer AG ist das Quorum auf den entscheidenden Verdi-Kongressen im März 2001 für jede der fünf Gewerkschaften nicht etwa die einfache Mehrheit. Je nach Satzung müssen 75 oder 80 Prozent der Delegierten zustimmen. Das zeigt, wie kompliziert die Aufgabe ist.

Immerhin hat am Wochenende in Mainz Realismus die Oberhand gewonnen. Dass gerade die große ÖTV an der hohen Zustimmunghürde zu scheitern droht, wird nun nicht mehr mit Beschwörungsformeln zugedeckt. Die Partner planen jetzt offiziell auch für den "Notfall" einer Fusion nur zu viert. Die fünf Vorsitzenden hoffen, dass sie damit zugleich das immer lautere Sommertheater um Verdi beendet haben. Tagelang war aus Mangel an sonstigem Parteiengezänk jedes ihrer Worte öffentlich daraufhin abgeklopft worden, ob es ein Ende der Fünfeinigkeit anzeigen könnte. Und tatsächlich, die Stimmung wurde immer gereizter. Trotz der nun neu gewonnenen Harmonie bleibt freilich alles wie gehabt: An den fünf Vorsitzenden wird es nicht liegen, falls Verdi scheitert. Sie können die eigenen Reihen nicht zwingen.

Das wird sich auch Ende September zeigen, wenn bei der Wackelkandidatin ÖTV eine Vorentscheidung fallen soll. Auch wenn der Vorstand das Projekt danach weiter unterstützt, kann er für nichts garantieren - weil der Gewerkschaftstag die Letztentscheidung hat. Doch Herbert Mai hat wohl Recht mit seiner Einschätzung, die Chance auf eine Teilnahme der ÖTV an Verdi sei jetzt wieder gestiegen. Erst die Aussicht, bei einer Fusion abseits stehen zu bleiben, hat so manchen die Folgen erkennen lassen: Die ÖTV wäre für ihre internen Gegensätze dann wieder allein verantwortlich, eine Reform ganz aus eigener Kraft aber viel schwerer.

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