Wirtschaft : Verdi: Berlin soll die Bankgesellschaft behalten US-Investoren signalisieren Kompromissbereitschaft

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Berlin (fo/hop). Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin erwartet, dass um die Jahreswende konkrete Kaufangebote für die Bankgesellschaft vorliegen. Das sagte sein Sprechen am Montag auf Anfrage. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi macht unterdessen Front gegen den Verkauf der Bankgesellschaft. Am Mittwoch will sie vor dem Roten Rathaus demonstrieren. Grund ist vor allem die Furcht vor einem weiteren Stellenabbau, weil private Investoren zu hohe Erwartungen an die Rendite hätten. Zudem bestehe die Gefahr, dass der Name Sparkasse aus Berlin verschwinde, sagte Joachim Tonndorf, Bereichsleiter Finanzdienstleistungen im VerdiLandesbezirk Berlin-Brandenburg, am Montag.

Hartmut Friedrich, Verdi-Funktionär und Aufsichtsrat der Bankgesellschaft, unterstrich gegenüber dem Tagesspiegel, dass Berlin durch den geplanten Verkauf nicht zu einer Sparkassen-freien Zone werden dürfe. Das Problem: Die Rechte an dem Namen „Sparkasse“ reklamiert die Sparkassen-Organisation für sich. Bei einer Komplett-Privatisierung der Bankgesellschaft müsste der Käufer sich mit dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband einigen. Es sei denn, er kommt selbst aus dem Sparkassenlager. Doch das unverbindliche Angebot des Konsortiums um die Norddeutsche Landesbank ist aus dem Bieterwettbewerb ausgeschieden.

Die beiden privaten US-Investoren haben nach Friedrichs Angaben aber signalisiert, dass sie sich auch mit einer Minderheitsbeteiligung an der Bankgesellschaft zufrieden gäben, wenn sie die unternehmerische Führung bekämen. Das hätten Gespräche mit Lone Star und BGB Capital Partners ergeben. Bankenkreise halten eine solche Lösung, bei der das Land Mehrheitsgesellschafter der Bankengruppe bliebe, allerdings für unwahrscheinlich. Dagegen sprächen die völlig unterschiedlichen Renditevorstellungen von Land und Investoren. „Nach dem mit der Europäischen Union abgesprochenen Sanierungsplan wird die Bankgesellschaft eine Eigenkapitalrendite von 6,7 Prozent erreichen“, sagte Tonndorf gestern. Damit würden sich die amerikanischen Investoren sicher nicht zufrieden geben, schätzte er, da die international übliche Rendite bei etwa 15 Prozent liege. Aussagen, es sei nach einer Übernahme kein Abbau über die im Sanierungsplan vorgesehenen 4300 Arbeitsplätzen hinaus geplant, halte er nicht für zuverlässig, sagte Tonndorf. „Vor einem Verkauf kann man viel versprechen.“ Denn 15 Prozent Eigenkapitalrendite seien nur zu erreichen, wenn Stellen gestrichen würden. Eine weitere Steigerung des ohnehin schon hohen Marktanteils werde nicht ausreichen, um eine wesentlich höhere Rendite zu erzielen.

Die Gewerkschafter halten einen Verkauf der Bankgesellschaft grundsätzlich für eine kurzsichtige Entscheidung. In drei bis vier Jahren sei die Bankgesellschaft saniert. Danach fließe über die Gewinne wieder Geld in die Landeskasse. Diese Einnahmequelle würde bei einem Verkauf, der jetzt allenfalls zwischen einer und zwei Milliarden Euro in die Landeskassen spüle, verloren gehen.

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