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Verdi bestreikt Flughäfen : Ausfälle vor allem in München und Köln, auch Berlin ist betroffen

Am Mittwoch wird es zu massiven Flugausfällen kommen. Grund sind die Verdi-Warnstreiks. In Berlin wurden knapp 100 Flüge gestrichen. Und die Bahn verzeichnet mehr Fahrgäste.

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Maschinen der Lufthansa auf dem Flughafen "Franz Josef Strauß" in München.
Maschinen der Lufthansa auf dem Flughafen "Franz Josef Strauß" in München.Foto: dpa

Zehntausende Reisende müssen sich am Mittwoch auf Verzögerungen und Ausfälle im Flugverkehr einstellen. Die Lufthansa kündigte wegen eines Warnstreiks der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi an sechs deutschen Flughäfen massive Flugausfälle für den Tag an. So würden alle Interkontinentalflüge von und nach München gestrichen, teilte die Airline am Montagabend mit. Aber auch innerdeutsche und europäische Strecken seien betroffen, sodass es am Mittwoch nur rund 90 Flüge von und nach München geben werde - das entspricht etwa einem Drittel aller Starts und Landungen, schreibt der Flughafenbetreiber auf seiner Internetseite.

Auch Air Berlin wies darauf hin, dass es durch den Streik zu Verzögerungen und Flugausfällen kommen könne. Zum Beispiel am Flughafen Köln-Bonn: Alle innerdeutschen Flüge, die bis 12 Uhr starten oder landen sowie alle Abflüge nach München für den gesamten Tagwerden wegen des Streiks gestrichen. Für Flüge nach Spanien und auf die Kanarischen Inseln sei mit Änderungen der Flugzeiten zu rechnen. Am Flughafen München streicht Air Berlin alle innerdeutschen Flüge, Interkontinentalflüge werden über Nürnberg umgeleitet.

Fluggäste die in Berlin starten oder landen wollen, müssen ebenfalls mit Verspätungen und Flugausfällen rechnen. Direkte Streikaktionen seien hier jedoch nicht geplant. In Tegel wurden 91 Verbindungen annulliert, in Schönefeld acht. Der übrige Flugverkehr laufe bisher wie geplant, da die Streichungen schon gestern bekannt wurden und Fluggäste sich darauf einstellen konnten.

Viele Reisende besonders innerhalb Deutschlands, die auf ihren Flug verzichten müssen, steigen auf die Bahn um. Dort könne man zwar ein erhöhtes Fahrgastaufkommen bemerken, das sei aber zu stemmen, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Zu Verzögerungen im Betriebsablauf komme es deshalb bisher noch nicht.

Der Flugplan in München zeigt am Mittwoch morgen vor allem viel Rot. Zahlreiche Flüge wurden annulliert.
Der Flugplan in München zeigt am Mittwoch morgen vor allem viel Rot. Zahlreiche Flüge wurden annulliert.Screenshot: Tsp

Verdi hat zu Warnstreiks an den Flughäfen Frankfurt, München, Düsseldorf, Köln/Bonn, Dortmund und Hannover aufgerufen. Mit den Ausständen will die Gewerkschaft den Druck im Tarifstreit über den öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen erhöhen. Sie verlangt sechs Prozent mehr Geld. Auch in vielen anderen Bereichen wie Kitas, Krankenhäusern, Rathäusern und dem Nahverkehr sind die Beschäftigten derzeit immer wieder im Ausstand.

Wie die Airline weiter mitteilte, ist der größte Teil der internationalen Flüge von und nach Frankfurt nicht betroffen. Am wichtigsten Drehkreuz des Landes müssten allerdings die meisten innerdeutschen Verbindungen und zahlreiche Europaflüge annulliert werden. Nach dem Ende des Streiks in Frankfurt sollen ab 15 Uhr die Lufthansa-Flüge wieder normal verkehren. Auch an den anderen betroffenen Flughäfen wird es nach Unternehmensangaben Annullierungen geben.

Bestreikt werden sollen etwa Werkstätten, Luftsicherheitskontrollen sowie Bodenverkehrsdienste wie Vorfeld, Fracht, Gepäck und Verwaltung. Noch einschneidender sind Arbeitsniederlegungen bei den Flughafenfeuerwehren, die für Frankfurt, München und Köln/Bonn angekündigt sind. Ohne Feuerwehr ist ein Flugbetrieb aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Der Flughafenverband ADV hatte die Warnstreiks als „völlig unangemessen“ kritisiert. Die Lufthansa veröffentlichte am Montagabend einen Sonderflugplan.

Lufthansa fordert "dringend Regeln für Arbeitskämpfe im Luftverkehr"

Verdi-Chef Frank Bsirske verteidigte die Maßnahmen. „Wir haben die Aktionen bereits am Freitag angekündigt, um betroffenen Passagieren entgegenzukommen“, sagte Bsirske den „Ruhr Nachrichten“ (Dienstag). „Die Arbeitgeber sollten ihre Haltung und ihr Angebot überprüfen, damit in der dritten Verhandlungsrunde am Donnerstag und Freitag eine Lösung gefunden werden kann.“

Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens sagte laut Mitteilung, der Streik zeige erneut, „dass wir dringend Regeln für Arbeitskämpfe im Luftverkehr benötigen“. Ihr Unternehmen fordere verbindliche Mediations- oder Schlichtungsverfahren vor Arbeitskämpfen.

Züge der Deutschen Bahn als innerdeutsche Alternative

Für innerdeutsche Flüge, die streikbedingt ausfallen, können Passagiere der Lufthansa zufolge Züge der Deutschen Bahn nutzen. Reisende, die für den 27. April einen Flug mit einer Airline der Lufthansa Group von und nach oder über Frankfurt, München, Düsseldorf, Köln/Bonn, Dortmund und Hannover gebucht haben, können ihr Ticket kostenfrei umbuchen - unabhängig davon, ob ihr Flug von dem Verdi-Streik betroffen ist.

Fluggäste von Air Berlin, die aufgrund des Streiks von einer Flugstreichung betroffen sind, können kostenfrei auf einen Flug mit der gleichen Strecke im Reisezeitraum vom 28. April bis einschließlich 4. Mai 2016 umbuchen. Bei Flügen, die als Teil einer Pauschalreise gebucht wurden, sollten Kunden ihren jeweiligen Reiseveranstalter kontaktieren.

Im November hatten die Flugbegleiter der Muttergesellschaft Lufthansa den bislang heftigsten und mit sieben Tagen längsten Streik in der Geschichte des 60 Jahre alten Unternehmens organisiert. Die Kosten allein dafür schätzte Lufthansa auf rund 140 Millionen Euro, die sich zu den bereits aufgelaufenen 130 Millionen Euro aus drei Streikrunden der Piloten addierten. Deren Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst, während für die Flugbegleiter der Schlichter Matthias Platzeck bis zum Sommer ohne Streikdruck nach einer Lösung sucht. (mit dpa)

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