Wirtschaft : Verdi bleibt stur

Gewerkschaft weitet Widerstand gegen längere Ladenöffnung zur WM aus

Carsten Brönstrup

Berlin - Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi will bundesweit zehn bis zwölf Verfahren gegen eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten zur Fußball-WM anstrengen. Für Berlin sei ein solches Vorgehen aber nicht geplant, sagte der für die Gewerkschaft tätige Rechtsanwalt Friedrich Kühn von der Leipziger Kanzlei Rottmann Kurz dieser Zeitung am Freitag.

Die Länder haben dafür gesorgt, dass während der WM die Ladenöffnungszeiten ausgeweitet werden können. Kunden in fünf der zwölf Spielstädte – München, Nürnberg, Frankfurt am Main, Hamburg und Köln – könnten werktags rund um die Uhr einkaufen. In sechs Spielorten, darunter Berlin, wurden Beschränkungen gelockert, in Hannover bleibt alles beim Alten. Die Gewerkschaft Verdi ist damit jedoch nicht einverstanden.

Am Donnerstag hatte Verdi in zwei Fällen in Thüringen und Sachsen-Anhalt erfolgreich gegen die verlängerte Öffnung geklagt. Dabei ging es allerdings nur um Beschäftigte in einzelnen Geschäften. Die Gewerkschaft will nun erreichen, dass die Gerichtsentscheidung für alle Einzelhändler in Thüringen gilt. Darauf hat Verdi vor dem Oberverwaltungsgericht des Landes in Weimar geklagt. Noch keine Entscheidung gibt es zu drei Klagen in den nordrhein-westfälischen Bezirken Düsseldorf, Köln und Detmold.

Verdi argumentiert, nur bei Ausnahmefällen und Naturkatastrophen könne von den Regelungen zum Ladenschluss abgewichen werden. In Thüringen und Sachsen-Anhalt finden keine Spiele zur Fußball-WM statt. Rechtsanwalt Kühn sagte, eine Klage für Berlin werde womöglich wenig erfolgreich sein, weil die Stadt ein wichtiger WM-Veranstaltungsort sei.

Unterdessen verzeichnete Berlin im April weiter einen starken Touristenzustrom. Das Statistische Landesamt meldete 15 Prozent mehr Gäste (insgesamt 617 000) und 21 Prozent mehr Übernachtungen (insgesamt 1,45 Millionen). Damit ragte Berlin heraus – die Zahl der Übernachtungen stieg in anderen Großstädten nur um ein Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt ermittelte. Offenbar zieht es die Touristen verstärkt auf das Land: In den übrigen Urlaubsgemeinden lag das Plus bei 17 Prozent. Bundesweit stieg die Zahl der Übernachtungen um 13 Prozent auf 27,2 Millionen. Der Zuwachs fiel den Statistikern zufolge so deutlich aus, weil Ostern erst im April gefeiert wurde.

Profitieren konnten bundesweit vor allem Campingplätze und die Anbieter von Ferienhäusern und -wohnungen (plus 38 Prozent). In der klassischen Hotellerie fiel der Anstieg der Übernachtungen mit sieben Prozent dagegen geringer aus. Gäste der inländischen Urlaubsziele waren in erster Linie die Deutschen selbst: Ihr Anteil an den Übernachtungen lag bei 86 Prozent.

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