Wirtschaft : Verdi droht mit Streiks in Kaufhäusern

Umsatzrückgang im Einzelhandel / Zuschläge für längere Öffnungszeiten am Sonnabend umstritten

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Berlin (avi). Nochmals sinkende Umsätze und drohende Streiks trüben die Stimmung im deutschen Einzelhandel. Im März setzte der Handel vier Prozent weniger um als im Vorjahresmonat, teilte das statistische Bundesamt am Freitag mit. Im Vergleich zum Februar 2003 wurden drei Prozent weniger abgesetzt. Zudem werden die gerade begonnenen Tarifverhandlungen durch die ab Juni bis 20 Uhr verlängerten Ladenöffnungszeiten an Sonnabenden erschwert. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi droht bereits für Mitte Mai mit ersten Streiks. „Ich fürchte, dass wir um einen Arbeitskampf in diesem Jahr nicht herumkommen“, sagte VerdiBundesvorstandsmitglied Franziska Wiethold.

In mehreren Bundesländern haben erste Tarifgespräche begonnen. Besonders umstritten sind die Zuschläge für die neuen Öffnungszeiten am Sonnabend zwischen 16 und 20 Uhr. Verdi fordert in den verschiedenen Tarifregionen Zuschläge zwischen 50 und 100 Prozent. Schon jetzt gibt es Zuschläge in Höhe von 20 Prozent für die Arbeitszeit an Wochentagen nach 18.30 Uhr. „Wir können uns keine Tarifvereinbarungen leisten, die zu weiteren Kostensteigerungen führen würden“, sagte Anton Wirmer, Tarifexperte des Handelsverbandes BAG dem Tagesspiegel. Vorstellbar sei es, die Zuschläge unter der Woche zurückzufahren, um die am Sonnabend zu erhöhen. Auch die Gewerkschaftsforderungen nach 3,5 bis 4,5 Prozent mehr Lohn seien angesichts der Marktsituation übertrieben. „Bleiben die Gewerkschaften hart, werden viele Unternehmen aus den Flächentarifverträgen aussteigen“, sagte Heribert Jöris, Tarifexperte beim Einzelhandelsverband HDE dem Tagesspiegel. „Das ist auch nicht im Interesse der Arbeitnehmer.“ Noch seien, zumindest in Westdeutschland mehr als 50 Prozent der Betriebe in die Tarifverträge eingebunden.

Trotz der drohenden Streiks will der Einzelhandel die Kaufhäuser an Sonnabenden ab Juni länger öffnen. Verdi hat den Arbeitgebern vorgeworfen, mit ihrem Drängen nach längeren Ladenöffnungszeiten die laufenden Tarifverhandlungen unter Zeitdruck gesetzt zu haben. Die Gewerkschaft will sich auch gegen die von den Arbeitgebern geforderten Öffnungsklauseln in den Tarifverträgen wehren. „Es ist ein Hammer, dass die Arbeitgeber bei einem selbst ernannten Notstand bis zu drei Jahre vom Tarifvertrag abweichen wollen“, sagte Folkert Küpers, Verdi-Sprecher in Nordrhein-Westfalen.

In Berlin drohen derzeit keine Streiks, hier beginnen die Tarifgespräche erst Mitte Mai. „Von den Berliner Verhandlungspartnern höre ich auch keine Streikdrohungen, wie aus der Verdi-Zentrale“, sagte Nils Busch-Petersen vom Berliner Einzelhandelsverband.

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