Wirtschaft : Verdi: Easyjet will nur die Startrechte der Deutschen BA

Verdi-Verhandlungsführer kritisiert Pilotengewerkschaft

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Berlin (fw). Die Gewerkschaften der Deutschen BA stellen sich darauf ein, dass Easyjet gar nicht das ganze Unternehmen übernehmen möchte, sondern vorrangig an den Start und Landerechten der Luftfahrtgesellschaft interessiert ist. „Ich glaube, dass sie die Deutsche BA zusammenbrechen lassen wollen, um die Slots zu übernehmen und dann die Beschäftigen unter Druck setzen zu können, um sie Arbeitsverträge zu ihren Bedingungen unterschreiben zu lassen“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Steffen Kühhirt dem Tagesspiegel am Freitag.

Kühhirt wird die Verhandlungen für das Boden- und Kabinenpersonal der DBA mit Easyjet führen. Bisher wurde nur mit den Piloten verhandelt. Er stelle sich darauf ein, dass Easyjet vor allem an den Slots interessiert sei und richte seine Strategie darauf aus, soviel Personal wie möglich unterzubringen, sagte Kühhirt. Auch die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit geht von einem solchen Szenario aus – rechne aber nicht damit, dass Easyjet dann noch an dem DBA-Personal interessiert sei. „Wir glauben daran, dass es deutsche Interessenten für die DBA gibt“, sagte VC-Sprecher Georg Fongern.

Easyjet, der größte Billigflieger Europas, hat eine Option unterschrieben, mit der sie bis zum August Zeit hat, sich für eine Übernahme der DBA zu entscheiden. Nun versucht das Unternehmen, die DBA radikal zum Billigflieger umzubauen. Damit müssen Piloten und Flugpersonal auch in Kauf nehmen, mehr Stunden zu arbeiten.

Die Vereinigung Cockpit hat zwar flexiblere Arbeitsbedingungen und die Verlängerung der Arbeitszeit von rund 600 Stunden pro Jahr auf 750 Stunden angenommen, verlangte aber zugleich, dass Easyjet nach der Übernahme keine betriebsbedingten Kündigungen machen dürfe, und die Kaufoption innerhalb von zwei Stunden ausübe. „Das ist unglücklich gewesen“, findet Kühhirt. Von einem großen Unternehmen könne man nicht verlangen, dass es sich so kurzfristig entscheide. Das Blockieren der Verhandlungen der Pilotengewerkschaft kritisierte Kühhirt. „Die Arbeitsplätze sollten mehr im Vordergrund stehen“, sagte er. Kühhirt zufolge muss man Abstriche in Kauf nehmen bei den Arbeitsbedingungen. Easyjet-Sprecher Toby Nicol sagte auf Anfrage, dass Easyjet sowohl an den Slots als auch an den Flugzeugen inklusive Besatzung interessiert sei.

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