Wirtschaft : Verdi kündigt Warnstreik am Alex an

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Berlin Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi will die Warnstreiks im Berliner Einzelhandel fortsetzen. Am heutigen Freitagvormittag soll die Galeria Kaufhof am Alexanderplatz bestreikt werden. Verdi ruft die rund 300 Mitarbeiter dazu auf, die Arbeit vorübergehend niederzulegen. Bereits am gestrigen Donnerstag hatten die Beschäftigten eines Lagers des Lebensmittelkonzerns Tengelmann in Berlin-Pankow gestreikt und sich zu einer Protestkundgebung vor dem Bürogebäude des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg in Kreuzberg versammelt. Verdi fordert für die rund 64000 Mitarbeiter im Berliner Einzelhandel eine Lohnerhöhung von 3,6 Prozent.

Zur Kundgebung erschien auch VerdiChef Frank Bsirske. Bei dem Konflikt im Einzelhandel ginge es um eine grundsätzliche Weichenstellungen in der Tarifpolitik, sagte Bsirske. „Die Arbeitgeber streben mit der Forderung nach Öffnungsklauseln und Verlagerung der Tarifkompetenz in die Betriebe die Abkehr vom bisherigen Prinzip an.“

Nils Busch-Petersen, Geschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, machte am Donnerstag deutlich, trotz der Streiks würden die Arbeitgeber nicht von ihrem Kurs abweichen. Sie fordern betriebliche Öffnungsklauseln, längere Arbeitszeiten und die Möglichkeit, tarifliche Sonderzahlungen wie Urlaubs- geld an den Unternehmenserfolg zu koppeln. „Wir sind jederzeit gesprächsbereit“, sagte er.

Verdi lehnt es jedoch ab, über diese Forderungen zu verhandeln. Die Gewerkschaft verweist darauf, dass diese Tarifrunde eine reine Gehaltsrunde sei. Alles andere sei in den Manteltarifverträgen geregelt. Und die könnten erst Ende 2005, größtenteils erst 2006 gekündigt werden. Ein Gehaltsangebot der Arbeitgeber aber liegt nicht vor. Sie wollen über Löhne und Gehälter erst verhandeln, wenn Verdi bereit ist, auch über ihre restlichen Forderungen zu sprechen. Trotz der verhärteten Fronten – in echten Notsituationen kooperieren Arbeitgeber und -nehmer offenbar doch noch. Als am Donnerstag die Protestler nach der langen Fahrt von Pankow nach Kreuzberg ein dringendes Bedürfnis verspürten, stellte Busch-Petersen ihnen die sanitären Einrichtungen des Handelsverbandes zur Verfügung . dro

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