Wirtschaft : Verdi lässt Einigung mit Telekom platzen

Konzern kann 32 000 Stellen nicht mit Billigung der Gewerkschaft abbauen – will aber trotzdem loslegen

Corinna Visser

Berlin – Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat die Pläne der Deutschen Telekom zum vorgesehenen Personalabbau abgelehnt. Nach intensiven Verhandlungen hatten sich die Kommissionen beider Seiten am Mittwoch über Maßnahmen geeinigt, wie der Personalabbau vonstatten gehen sollte. Doch am Donnerstag lehnte das zuständige Verdi-Fachgremium das Angebot der Telekom als unzureichend ab. Die Telekom bedauerte dies. An den Plänen zum Personalumbau ändere das jedoch nichts. „Wir halten an den Zahlen fest“, sagte Telekom-Personalvorstand Heinz Klinkhammer. „Die unternehmerische Notwendigkeit wurde in den mehrfachen Verhandlungsrunden eingehend erörtert und letztlich auch gesehen.“ Dagegen sagte Lothar Schröder, Mitglied des Verdi-Fachbereichsvorstands: „Die Pläne der Telekom zum Personalabbau sind sehr konkret, die Angebote zum Aufbau neuer Arbeitsplätze im Konzern dagegen zu unverbindlich.“ Beide Seiten zeigten sich zu weiteren Gesprächen bereit.

Die Telekom hatte im November angekündigt, dass bis Ende 2008 noch einmal 32 000 Menschen den Konzern verlassen sollen. In den vergangenen zehn Jahren hat die Telekom bereits mehr als 100 000 Arbeitsplätze abgebaut. Derzeit beschäftigt sie noch rund 170 000 Mitarbeiter in Deutschland. Als Gründe für den weiteren Abbau nennt die Telekom die technologische Entwicklung, die menschliche Arbeit in Teilen überflüssig mache, und den regulierungsbedingt harten Wettbewerb vor allem im Festnetz. Am stärksten betroffen vom Abbau ist demnach die Festnetztochter T-Com. Jeden Monat verliert T-Com 100 000 Anschlüsse an die Konkurrenz.

Gleichzeitig aber hat die Telekom 2005 ein wirtschaftlich sehr erfolgreiches Jahr hinter sich. Im Durchschnitt schätzen Analysten, dass das Unternehmen 2005 einen Gewinn von etwa fünf Milliarden Euro erzielt hat. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, sei der Personalumbau jedoch unumgänglich, argumentiert die Telekom. 3,3 Milliarden Euro will der Konzern dafür in den kommenden Jahren ausgeben. Der Personalabbau ist allerdings nur auf freiwilliger Basis – über Abfindungen, Altersteilzeit und Vorruhestandsregelungen möglich. Bis Ende 2008 sind die Arbeitnehmer der Telekom AG vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. „Wir halten das Angebot aufrecht“, sagte Telekom-Personalvorstand Klinkhammer. „Wir werden die Dinge, die wir für eine sozialverträgliche Umsetzung des Personalumbaus benötigen und die zeitkritisch sind, auf freiwilliger Basis umsetzen.“ Dazu gehörten das verhandelte Abfindungspaket, die Erschließung neuer Beschäftigungsmöglichkeiten sowie die Chance, auf neu entstehende Jobs zu wechseln. Dabei hätte die Telekom gern die Unterstützung Verdis gehabt.

Verdi-Mitarbeiter Schröder sagte dagegen, die Gewerkschaft wisse bis heute nicht, wie sich die veranschlagten 3,3 Milliarden Euro zusammensetzten. Auch seien die Verhandlungen durch die Pläne der Telekom belastet worden, 45 Call-Center zu schließen. Das Unternehmen sei nicht bereit gewesen, den Interessen der Beschäftigten in diesem Bereich substanziell entgegenzukommen. „Insgesamt passt die Dimension des Angebotes nicht zum Ausmaß des geplanten Personalabbaus“, sagte Schröder.

Unterdessen gab das Oberlandesgericht in Frankfurt am Main den Weg für die Verschmelzung der T-Online mit der Telekom frei. Die Verschmelzung könne im Handelsregister eingetragen werden, ohne dass der Ausgang der gegen den Beschluss erhobenen Anfechtungsklagen abgewartet werden muss, teilte das Gericht mit.

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