Wirtschaft : Verdi: ÖTV-Spitze bekennt sich zur geplanten Dienstleistungsgewerkschaft

Trotz interner Auseinandersetzungen hält die Spitze der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) weiter an der geplanten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fest. Der ÖTV-Hauptvorstand habe sich mit knapp 86 Prozent für eine Beteiligung an Verdi ausgesprochen, gab ÖTV-Chef Herbert Mai nach einer Vorstandssitzung am Donnerstag in Stuttgart bekannt. Den Delegierten des Gewerkschaftstages im November in Leipzig soll nun ein Antrag mit einem "deutlichen Bekenntnis für Verdi" vorgelegt werden. Mai zeigte sich zuversichtlich, dass in der ÖTV die erforderliche Mehrheit von 80 Prozent für das Projekt erreicht werde.

Der Gewerkschaftschef rechnet damit, dass die notwendigen Papiere für die Gründung von Verdi - etwa die Satzung - am 22. und 23. Oktober auf der nächsten Mitgliederversammlung beschlossen werden. Diese sollten dem Gewerkschaftstag dann ebenfalls zur Entscheidung vorgelegt werden. Innerhalb der ÖTV gebe es noch zur Frage der Bezirksbildung und der finanziellen Ausstattung der Bezirke kontroverse Meinungen. "Es ist aber die Erkenntnis gewachsen, dass wir eine starke und einheitlich handelnde Gewerkschaft brauchen", betonte der ÖTV-Chef.

In Verdi wollen sich die ÖTV, die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV), die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) sowie die Deutsche Postgewerkschaft und die IG Medien zusammenschließen. Die Dienstleistungsgewerkschaft wäre die größte Einzelgewerkschaft der Welt und würde in Deutschland die IG Metall als größte Arbeitnehmervertretung ablösen. Innerhalb der ÖTV stehen vor allem die Bezirke Nordrhein-Westfalen II, Bayern und Baden-Württemberg dem Projekt ablehnend gegenüber. Mai wies darauf hin, dass der endgültige Beschluss für eine Verschmelzung erst bei Gewerkschaftstagen im kommenden März falle. Erst dann sei die erforderliche Mehrheit von 80 Prozent notwendig. Im November würde nur über einzelne Anträge und Papiere entschieden.

Über eine mögliche Kandidatur als Chef der neuen Supergewerkschaft wollte sich Mai nicht äußern. Zunächst müssten alle inhaltlichen Fragen geklärt werden. Frühestens Ende November seien Personalfragen relevant. DAG-Chef Roland Issen hatte sich am Donnerstag in der Zeitung "Die Welt" für Mai als ersten Vorsitzenden von Verdi ausgesprochen.

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