Wirtschaft : Verdi: Überwältigende Mehrheit dafür

Als erste Gewerkschaft hat die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) den Weg frei gemacht für die Bildung der neuen Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Bei einer spontanen Abstimmung zum Abschluss des Kongresses stimmten am Samstag in Bremen 98,7 Prozent der 177 anwesenden Delegierten für die Einberufung des Verdi-Gründungskongresses vom 17. bis 19. März kommenden Jahres in Berlin. Es gab nur zwei Gegenstimmen. Ursprünglich war keine Abstimmung bei dem Kongress vorgesehen. Mit dieser Mehrheit lag die DAG weit über der dann für die Fusion erforderlichen Quote von 80 Prozent. Hingegen hatte die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) bei ihrem Kongress das im März nötige Quorum mit einer Zustimmung von knapp über 65 Prozent verfehlt.

Die Spitzenfunktionäre der beteiligten Gewerkschaften vertraten in Bremen aber die Auffassung, dass trotz Vorbehalten in der ÖTV wie geplant fünf Einzelorganisationen in Verdi aufgehen werden. "Verdi, das sind wir alle fünf", sagte der DAG-Vorsitzende Roland Issen. Auch der neue ÖTV-Chef Frank Bsirske zeigte sich überzeugt, dass seine Organisation bei der Verschmelzung im kommenden Jahr dabei sein werde. Ähnlich äußerten sich am Samstag die Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und der Gewerkschaft Handel, Banken, Versicherungen (HBV).

Nach der ÖTV befasste sich am Wochenende die DAG auf ihrem Kongress mit dem aktuellen Stand der Fusion, die im März 2001 vollzogen werden soll. Am Sonntag und Montag sind zur Vorbereitung der Verschmelzung auch Delegierten-Treffen von Deutscher Postgewerkschaft (DPG), HBV und IG Medien angesetzt.

Auf dem DAG-Kongress machte Issen deutlich, dass es bei der Verschmelzung keine Nachverhandlungen geben werde. Dies habe auch Bsirske akzeptiert. In seinem Grußwort bei der DAG, das die Delegierten mit anhaltendem Beifall quittierten, forderte Bsirske dazu auf, die Ängste, die in den Turbulenzen bei der ÖTV deutlich geworden seien, ernst zu nehmen. Zugleich warnte er vor einem Streit über Einzelheiten beispielsweise in der Verdi-Satzung oder bei der Gestaltung neuer Bezirksgrenzen.

Die HBV-Vorsitzende Margret Mönig-Raane äußerte sich im Deutschlandradio Berlin zwar zuversichtlich über das Zustandekommen von Verdi, sagte aber, ganz sicher könne man erst nach den entscheidenden Abstimmungen im März 2001 sein. Für den zukünftigen Vorsitz von Verdi, für den ursprünglich Mai vorgesehen war, schloss Mönig-Raane jetzt eine eigene Kandidatur nicht aus. DAG-Chef Issen hatte vor dem Bremer Kongresses darauf hingewiesen, dass über Personalfragen frühestens Ende kommender Woche nach Abschluss aller Delegierten-Treffen der beteiligten Gewerkschaften gesprochen werden solle. Er selbst stehe kurz vor seinem 63. Geburtstag aus Altersgründen nicht zur Verfügung.

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