Wirtschaft : Verdi will Aldi anzeigen

Discounter hat AUB-Betriebsräte bezahlt

Berlin - Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi prüft eine Klage gegen Aldi Nord, weil der Discounter nach eigenen Angaben Geld an die Betriebsräte-Organisation – und Verdi-Konkurrenz – AUB gezahlt hat. Man sehe den Vorwurf der Bestechung als erwiesen an, sagte die stellvertretende Vorsitzende Margret Mönig-Raane am Montag der Nachrichtenagentur AP. Es sei Unternehmensleitungen bei Strafe verboten, sich auf diese Weise in die Arbeit der Betriebsräte einzumischen.

Aldi hat nach eigenen Angaben über längere Zeit 120 000 Euro pro Jahr an die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöroger (AUB) gezahlt. Das Geld soll an den früheren Bundesvorsitzenden der AUB, Wilhelm Schelsky, geflossen sein. Es sei offenbar darum gegangen, ein Gegengewicht zu Verdi zu schaffen, hieß es. Wie Aldi bestätigte, hat ein AUB-Mitarbeiter mit dem Geld Aldi-Betriebsräte geschult. Die Zahlungen erfolgten verdeckt über eine Essener Anwaltskanzlei. Damit habe man dem Eindruck entgegentreten wollen, dass die Schulungen beeinflusst werden sollten, hieß es bei der Aldi Einkauf GmbH in Essen. Eine weitergehende Stellungnahme lehnte der Discounter am Montag nach entsprechender Anfrage ab.

Verdi sieht in den verdeckten Zahlungen einen Verstoß gegen das Betriebsverfassungsgesetz. Danach sei jegliche einseitige Einflussnahme von Unternehmen auf Betriebsratswahlen verboten, sagte Gewerkschaftschef Frank Bsirske.

Der frühere AUB-Chef Schelsky sitzt derzeit in Untersuchungshaft, weil er jahrelang hohe Beträge vom Siemens-Konzern kassiert haben soll. Gegen ihn wird wegen Steuerhinterziehung und Beihilfe zur Untreue ermittelt. Die AUB, die inzwischen einen neuen Vorstand hat, distanzierte sich am Montag von den Vorwürfen. Die „vermutlichen Absprachen“ zwischen Schelsky und Aldi Nord seien der AUB nicht bekannt. Man habe von Aldi keinerlei illegale Zahlungen erhalten, hieß es in einer Mitteilung. pet

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