Wirtschaft : Verdi will Karstadt-Sanierung blockieren

Unternehmenschef Achenbach warnt: „Das wäre das Ende“ – Grüne fordern Konzepte zur Rettung der Innenstädte

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Berlin Karstadt-Quelle will seine 77 zum Verkauf stehenden kleineren Warenhäuser auch dann nicht schließen, wenn das Unternehmen dafür binnen drei Jahren keinen Käufer finden sollte. „Ich habe nie gesagt, dass diese Filialen kein Geld verdienen, und wir werden diese auch nicht schließen“, sagte Konzernchef Christoph Achenbach dem Nachrichtenmagazin „Focus". Unterdessen bahnt sich eine heftige Auseinandersetzung zwischen Konzernleitung und Gewerkschaft über den Sanierungskurs an.

Karstadt-Quelle hatte in der vergangenen Woche angekündigt, den Konzern neu aufzustellen. Unrentable Häuser sollen geschlossen, Fachhandelsketten wie Sinn-Leffers und Wehmeyer verkauft werden. Damit will der Konzern nach einem erwarteten Vorsteuerverlust von gut 1,3 Milliarden Euro in diesem Jahr ab 2005 wieder schwarze Zahlen schreiben.

Konzernchef Achenbach warnte die Gewerkschaft Verdi davor, sich dem Sanierungsplan des Konzerns entgegenzustellen. Die Einigung über die Restrukturierungen müsse in drei bis vier Wochen kommen, eine Alternative gebe es nicht. Andernfalls würden Banken und Aktionäre kein Geld mehr zuschießen, sagte er mit Blick auf die laufenden Gespräche mit Gläubigerbanken und die Ankündigung der Großaktionäre Schickedanz und Allianz, sich zur Finanzierung der Sanierung an einer Kapitalerhöhung im Gesamtvolumen von insgesamt 500 Millionen Euro zu beteiligen. „Das wäre das Ende“, sagte Achenbach.

Der Betriebsrat zeigte sich kompromissbereit. „Wenn die Firma signalisiert, dass sie bereit ist, möglichst viele Standorte zu erhalten und möglichst auch einer Beschäftigungssicherung zustimmt, dann sind auch die Arbeitnehmer bereit, etwas zu geben“, sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Wolfgang Pokriefke. Dagegen sagte Verdi-Vorstandsmitglied Franziska Wiethold: „Das Karstadt-Sanierungskonzept tragen wir nicht mit, weil es Tausende Arbeitsplätze gefährdet. Wir stellen ein Konzept zur Beschäftigungssicherung dagegen.“ Am Montag will die Gewerkschaft ihre Forderungen an den Konzern formulieren.

Karstadt will die zum Verkauf stehenden 77 Warenhäuser innerhalb von drei Jahren an einen Investor oder einen Partner abgeben, bekräftigte der Konzern am Samstag. Branchenexperten fragen sich aber, wer die kleinen Häuser übernehmen soll. Der Wettbewerber Metro hatte schon im Vorfeld jegliches Interesse an den Karstadt-Filialen von sich gewiesen. „Wir haben keinen Bedarf, über einen Einstieg nachzudenken. Auch nicht bei einzelnen Häusern. Keine Diskussion“, bekräftigte Kaufhof-Chef Lovro Mandac.

Als Konsequenz aus der drohenden Schließung von zahlreichen Karstadt-Filialen hat der Grünen-Wirtschaftsexperte Fritz Kuhn Strategien zur Wiederbelebung der Innenstädte gefordert. Bund, Länder und Gemeinden müssten überlegen, wie die Einkaufssituation verbessert werden könne, sagte Kuhn. „Wer Supermärkte auf der grünen Wiese will, muss sich nicht wundern, wenn es in den Innenstädten düster wird.“ Tsp

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