Wirtschaft : Verdi will Karstadt stoppen

Wenn die Läden bis 22 Uhr geöffnet werden, wird die Gewerkschaft klagen

Maren Peters

Berlin - Die Vorfreude auf spätes Weihnachtsshoppen bis 22 Uhr könnte bei Karstadt kurz ausfallen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kündigte jetzt Widerstand gegen die Pläne des Essener Einzelhandelskonzerns an, die Ladenöffnungszeiten möglichst schon im Weihnachtsgeschäft auszudehnen. „Karstadt hat die Rechnung ohne den Betriebsrat gemacht“, sagt Verdi-Handelsexperte Ulrich Dalibor dem Tagesspiegel am Sonntag. Eine Verlängerung der Öffnungszeiten bedürfe der Zustimmung der Arbeitnehmervertretung. Diese sei bisher aber nicht gefragt worden und daher sehr verärgert. „Ich gehe davon aus, dass der Betriebsrat den längeren Öffnungszeiten nicht zustimmen wird“, sagte Dalibor.

Karstadt hatte in dieser Woche angekündigt, die Geschäfte ab Januar werktags bis 22 Uhr zu öffnen. Einige Häuser in großen Städten wie Berlin sollen bereits in der Adventszeit an Freitagen und Samstagen bis 22 Uhr offen stehen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Länder rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft die neuen Ladenschlussgesetze verabschieden. Doch das klappt voraussichtlich nur in Nordrhein-Westfalen, Hessen, dem Saarland, vielleicht in Sachsen-Anhalt und Brandenburg, nicht aber in Berlin. Verdi-Vertreter Dalibor kündigte Klagen für den Fall an, dass Händler die Kunden trotzdem länger einkaufen lassen. „Wenn sie illegal öffnen, werden wir klagen“, sagte er. Auch wenn sich bestätigen sollte, dass der verfassungsrechtlich garantierte Schutz der Familie durch neue Ladenschlussgesetze verletzt sei oder die Öffnung an Sonn- und Feiertagen „von der Ausnahme zur Regel wird“, werde die Gewerkschaft dagegen mit Klagen vorgehen.

Dalibor bezeichnete eine weitere Verlängerung der Öffnungszeiten als „schädlich“. Nicht nur wegen der Auswirkungen auf die Beschäftigten, „von denen sich immer weniger auf immer größerer Fläche verlieren“, sondern auch aus Sicht der Kunden. Sie dürften sich nicht über die Service-Wüste beklagen, wenn der Handel die Öffnungszeiten verlängere, gleichzeitig aber Personal aus Kostengründen abbaue. Schon jetzt würden überwiegend Teilzeitkräfte beschäftigt. „Dieser Trend wird sich sicher fortsetzen“, sagte der Gewerkschaftsvertreter.

Ein Karstadt-Sprecher hatte sich im Gespräch mit dieser Zeitung zuvor zuversichtlich gezeigt, dass eine Einigung mit den Arbeitnehmervertretern zustande kommt.

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