Wirtschaft : Verdi will neue Strategie für die Telekom

Die Gewerkschaft verlangt vom neuen Konzern-Chef Obermann, beim Personal nicht mehr zu sparen

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Berlin - Die Gewerkschaft Verdi verlangt vom neuen Telekom-Chef René Obermann eine neue Zukunftsperspektive für das Unternehmen. „René Obermann muss den Service verbessern, den Vertrieb ausbauen und die Innovationskraft des Unternehmens stärken“, sagte Verdi- Bundesvorstandsmitglied Lothar Schröder dem Tagesspiegel. Man könne nichts dagegen haben, wenn im Unternehmen weiter Kosten gespart würden. Das hatte Obermann bereits angekündigt. „Obermann muss nur begreifen, dass beim Personal nichts mehr zu holen ist“, sagte Schröder, der zugleich im Aufsichtsrat der Deutschen Telekom sitzt. „Die Kunden verlangen mehr Service.“ Und die Telekom könne sich im Wettbewerb nicht durch niedrige Preise differenzieren, sondern nur durch eine bessere Bedienung der Kunden. „Dann sprudeln auch die Umsätze wieder“, sagte Schröder.

Der 43-jährige René Obermann war am vergangenen Montag zum neuen Telekom-Chef berufen worden. Sein Vorgänger Kai-Uwe Ricke war am Tag zuvor nach massiver öffentlicher Kritik an der Geschäftsentwicklung und am Börsenkurs zurückgetreten. Von Arbeitnehmerseite war vor allem der umfangreiche Personalabbau in den vergangenen zehn Jahren kritisiert worden. Seit 1996 hat die Deutsche Telekom im Schnitt rund 10 000 Arbeitsplätze per annum abgebaut. Bis Ende 2008 sollen noch einmal 32 000 Mitarbeiter den Konzern verlassen. Ricke hatte zwar zuletzt gesagt, dass für die Jahre 2009 und 2010 kein weiterer Personalabbau geplant sei. Er hatte aber angekündigt, 45 000 Mitarbeiter in eine neue Gesellschaft T-Service auszugliedern. Durch die Ausgliederung sollten „Kostenvorteile“ erzielt werden, auch durch „flexiblere kundenorientierte Arbeitszeiten“.

Die Gewerkschaft ist nicht bereit, eine weitere Verschlechterung der Arbeitsbedingungen hinzunehmen. „Wir wollen, dass die Beschäftigten der Telekom nicht verkauft, nicht abgebaut und nicht bedroht werden“, sagte Schröder. Es dürfe nicht allein darum gehen, weiter an der Kostensenkungsspirale zu drehen. „Wenn Obermann den Personalabbau verschärft und er weitere Angriffe auf die Konditionen der Beschäftigten fährt, dann ist Krach mit uns programmiert.“ Die Telekom brauche ihre Leute, um bessere Leistungen anbieten zu können. „Manche Kunden haben bittere Erfahrungen mit der Telekom gemacht“, sagte Schröder. „Jeder kennt negative Geschichten, daraus müssen wieder positive Storys werden.“

Als Beispiel nannte Schröder das neue Produkt T-Home-Speed – die Kombination aus Festnetz, schnellem Internet und Fernsehen über das Telefonkabel. „Die Installation ist nicht einfach. Da muss man Leute zum Kunden schicken, sonst kann man das Produkt nicht verkaufen.“ Er könne aber nicht erkennen, wie die Bedienung von Kunden allein durch die Gründung von einer neuen Einheit T-Service besser werden soll.

Vielmehr müsse der neue Telekom- Chef die internen Abläufe wieder in Ordnung bringen und die Kommunikation nach außen und nach innen verbessern. „Bei der Telekom hat es in 16 Jahren 16 Umorganisationen gegeben“, sagte Schröder. „Das Verhältnis von Stabilität zu Veränderung ist aus dem Ruder gelaufen. Obermann muss wieder für mehr Verlässlichkeit sorgen.“

Schröder, der Obermann schon viele Jahre kennt, traut ihm die Aufgabe aber zu. „Ich schätze an ihm seine Direktheit und dass er schnell Entscheidungen trifft.“ Für die Zukunft wünscht sich der Gewerkschafter: „Obermann muss es schaffen, in den Mitarbeitern wieder eine Leidenschaft für das Unternehmen zu wecken.“ Der neue Telekom-Chef wird seine Strategie am 5. Dezember dem Aufsichtsrat präsentieren. Dann kommen die Kontrolleure zu ihrer nächsten regulären Sitzung zusammen.

Dann könnten auch weitere Wechsel im Vorstand beschlossen werden. So wird etwa erwartet, dass ein Nachfolger für Telekom-Personalvorstand Heinz Klinkhammer (60) benannt wird. In Medienberichten heißt es, Schröder und Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel hätten sich bereits auf Regine Büttner geeinigt, die früher Personalchefin bei T-Systems war und nun in Klinkhammers Bereich internationale Projekte verantwortet. Das wollte Schröder nicht bestätigen. „An Personalspekulationen in der Öffentlichkeit beteiligen wir uns nicht“, sagte der Gewerkschafter.

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