Verdienen mit Start-ups : Wie Kleinanleger in Start-ups investieren können

Am Freitag geht die German Startups Group an die Börse. Auch Anleger können von der wachsenden Gründerszene profitieren. Aber es gibt durchaus Risiken.

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Ernte und Ertrag. Wer in Start-ups investiert, kann sein Geld vermehren. Aber es gibt auch ein Risiko.
Ernte und Ertrag. Wer in Start-ups investiert, kann sein Geld vermehren. Aber es gibt auch ein Risiko.Foto: iStock/ Montage

Und noch ein Börsengang. Nachdem sich im vergangenen Jahr mit Zalando und Rocket Internet gleich zwei bekannte Unternehmen der Berliner Start-up-Szene aufs Parkett gewagt haben, folgt an diesem Freitag mit der German Startups Group bereits das nächste. Die 2012 gegründete Beteiligungsgesellschaft für deutsche Start-ups hat unter anderem in Firmen wie Delivery Hero, Mister Spex und Soundcloud investiert. Bei einem Überschuss von zuletzt 1,4 Millionen Euro weisen die Berliner eine jährliche Bruttorendite von 30,5 Prozent aus. Das hört sich gut an. Doch lohnt sich die Investition in Firmen der Start-up-Branche auch für Kleinanleger? Wenn ja, welche Möglichkeiten haben sie?

Etliche Firmen der Gründerszene geben Aktien aus

Lange haben die deutschen Start-ups einen Bogen um die Börse gemacht. Nun scheint sich das zu ändern. Neben bekannten Unternehmen wie Rocket Internet und Zalando haben zuletzt etliche Firmen der Gründerszene Anteilsscheine ausgegeben. Seitdem haben auch Kleinanleger die Möglichkeit, sich auf diese Weise an ihnen zu beteiligen. So hat Anfang Juni etwa der Babyausstatter Windeln.de erstmalig Aktien ausgegeben. Vor zwei Wochen folgte der Schmuckhändler Elumeo. Bereits seit Februar ist das finnische Finanz-Start-up Ferratum an der Frankfurter Börse gelistet, das Kleinkredite vergibt. Sein deutscher Konkurrent Kreditech aus Hamburg soll ebenfalls am Börsengang arbeiten. Auch der Berliner Vermittler für Lieferdienste, Delivery Hero, hat sich den Sprung aufs Parkett vorgenommen. Rocket Internet hat gleich für drei seiner Ableger die Ausgabe von Aktien in Aussicht gestellt: für den Berliner Abodienst Hello Fresh, die Global Online Takeaway Group und die Global Fashion Group.

Ein Börsensegment für Start-ups wird es vorerst nicht geben

Geht es nach Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, wird Deutschland in den nächsten Jahren noch deutlich mehr Börsengänge solcher Techfirmen sehen. Ein eigenes Segment für Start-ups an der Börse, wie es Gabriel noch vor einem Jahr gefordert hat, wird es vorerst jedoch nicht geben. Eine Arbeitsgruppe des Ministeriums kam kürzlich zu dem Schluss, dass das wenig bringen würde. Im Gespräch ist allerdings noch immer ein eigener Index für deutsche Start-ups: Er soll abbilden, wie sich die Aktienkurse junger Techfirmen entwickeln.

Die Chance auf Rendite ist ebenso groß wie die Gefahr von Verlusten

Kleinanleger sollten nun allerdings nicht sofort blind Aktien von Start-ups kaufen. Denn so groß bei diesen Titeln die Chancen auf Rendite sind, so groß ist auch die Gefahr, mit ihnen hohe Verluste zu machen. „Wenn man Aktien junger Firmen kauft, ist das Risiko grundsätzlich größer als bei etablierten Konzernen“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Verbraucherschützer raten, allenfalls „Spielgeld“ einzusetzen: Geld, auf das man im Zweifel verzichten kann.

Der Aktienkurs von Rocket Internet geht seit dem Börsengang auf und ab

Das gilt auch für die Titel der Berliner Start-up-Holding Rocket Internet.  Seit ihrem Börsengang im Oktober ging der Kurs ihrer Aktie mal rauf, mal runter. Erst am Dienstag ist er deutlich eingebrochen, nachdem das Unternehmen eine Wandelanleihe herausgegeben und auf diese Weise eine halbe Milliarde Euro eingesammelt hat. Weil Anleger diese Anleihen gegen Aktien eintauschen können, verwässert das den Börsenkurs. Hat die Berliner Holding ihre Papiere ursprünglich für 42,50 Euro ausgegeben, ist ihr Wert mittlerweile auf 36 Euro gefallen. Das zeigt, wie wenig vorhersehbar die Entwicklung der Kurse ist. Ein weiteres Problem bei Start-up-Aktien: Experten raten stets, die Anteilsscheine gleich mehrere Jahre lang zu halten. Doch mehrere Jahre sind in der schnelllebigen Start-up-Szene eine kleine Ewigkeit.

Start-up-Schmieden streuen das Risiko

Ob Anleger besser in Aktien einzelner Start-ups investieren oder die einer Holding, die gleich diverse Firmen großzieht, ist dabei Ansichtssache. Auf der einen Seite streuen Start-up-Schmieden wie Rocket Internet oder die German Startups Group das Risiko: Wenn eine ihrer Firmen sehr erfolgreich wird, kompensiert das die Verluste, die die Holding mit anderen Unternehmen macht. „Gleichzeitig ist es für Verbraucher allerdings schwer, den Überblick zu behalten, auf welche Firmen die Holding setzt“, sagt Anlegerschützer Kurz.

Fonds, die Geld ausschließlich in Aktien von Start-ups investieren, gibt es bislang keine

Fonds, die das Geld der Anleger ausschließlich in Aktien von Start-ups investieren, gibt es bislang keine. Zum einen sind dafür hierzulande noch zu wenige junge Techfirmen an der Börse notiert. Schließlich müssten Fonds Anteile möglichst vieler Start-ups kaufen, um das Risiko breit zu streuen. Zum anderen sind die Unternehmen oft zu klein. Für Fonds werden Techfirmen erst interessant, wenn sie die Start-up-Phase längst hinter sich gelassen haben und zu Konzernen herangewachsen sind. Einzig die Papiere von Rocket Internet stecken mittlerweile in einigen Publikumsfonds, die auf Technologiewerte oder deutsche Aktien spezialisiert sind. Allerdings fallen die Papiere der Berliner darin kaum ins Gewicht.

Es gibt Zertifikate, die auf die Entwicklung von Fintechs setzen

Auch Zertifikate, die auf die Entwicklung junger Techfirmen setzen, gibt es bislang kaum. Als eine der ersten Banken hat in diesem Jahr die Schweizer UBS ein Papier herausgegeben, mit dem Anleger auf die Entwicklung von Fintechs setzen: Das sind Start-ups, die Banken Konkurrenz machen und zum Beispiel Lösungen zum mobilen Bezahlen entwickeln. Das Zertifikat „Solactive Fintech 20 Total Return Index“ bildet die Kursentwicklung von 20 solcher Finanzfirmen nach. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass die meisten von ihnen bereits seit Jahren am Markt aktiv sind und streng genommen nicht mehr als Start-ups bezeichnet werden können.

Plattformen im Internet bieten Crowdinvesting an

Die Alternative sind Plattformen im Netz, über die Gründer Geld bei Investoren und Kleinanlegern einsammeln. Sie heißen zum Beispiel Seedmatch, Startnext, Bergfürst, Companisto oder Kickstarter. Die meisten dieser sogenannten Crowdfunding-Plattformen sind nicht viel älter als die Start-ups, die bei ihnen um Investoren buhlen. Anders als beim Crowdfunding spenden die Geldgeber beim Crowdinvesting nicht nur für ein einzelnes Projekt oder Produkt eines Start-ups. Sie setzen vielmehr darauf, dass sie vom möglichen Erfolg einer Geschäftsidee oder eines Unternehmens profitieren können. Die Rendite kann dabei zwar zwischen fünf und zehn Prozent liegen – es droht gleichzeitig aber auch immer der Totalausfall. Finanzexperten raten deshalb zur Vorsicht. „Crowdinvesting ist eine riskante Form der Geldanlage, weil meist Start-ups unterstützt werden, von denen man nicht weiß, ob sie den Durchbruch schaffen“, sagt Thomas Pfister von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Viele Firmen aus dem Segment Erneuerbare nutzen Crowdinvesting

Neben technologielastigen Start-ups nutzen häufig auch Unternehmen aus dem Segment der Erneuerbaren Energien das Crowdinvesting. Bereits für kleine Beträge um die 100 Euro können sich Kleinanleger so an der Entwicklung eines neuen Computerspiels, einer innovativen Essenslieferplattform oder einem geplanten Windpark beteiligen. Dabei sind die Finanzprodukte hinter den Projekten keineswegs neu: Die Investoren gewähren den Anbietern ein Darlehen und erhalten im Gegenzug einen Zinssatz. Unternehmensanleihen, stille Beteiligungen, Genussrechte oder auch eine Beteiligung als Kommanditist – jegliche Form der Unternehmensbeteiligung ist möglich. Da es sich beim Crowdinvesting also lediglich um eine neue Vertriebsform handelt, empfehlen Verbraucherschützer, sich an den allgemeinen Regeln der Geldanlage zu orientieren. Anleger sollten sich fragen, ob sie das beschriebene Projekt verstehen. Wie lang ist die Laufzeit? Wie hoch sind die Kosten zum Beispiel für die Bearbeitung? Was sagen andere Investoren etwa in Internetforen zu Projekt und Vermittlungsplattform?

Scheitert eine Finanzierung, müssen Anleger ihr Geld zurückbekommen

Hat sich ein Anleger für eine Investition entschieden, wird das eingezahlte Geld von den meisten Plattformen treuhänderisch verwaltet, bis die vom Anbieter avisierte Summe erreicht ist. Scheitert die angestrebte Finanzierung, sollte der Anleger sein Geld zurückerhalten – auch auf eine solche Garantie sollte der Verbraucher achten. Für ihn beginnt das eigentliche Risiko aber erst dann, wenn das Geld an die Projektträger oder Unternehmen ausgezahlt werden. Scheitert die Firma, verliert er im schlimmsten Fall alles.

Der Gesetzgeber will Kleinanleger besser schützen

Nur wer sich das Risiko leisten kann, sollte investieren, empfiehlt Finanzexperte Pfister. „Für die Altersvorsorge taugt Crowdinvesting nicht.“ Größere Ausfälle oder Veruntreuungen sind jedoch noch nicht bekannt. „Konkrete Beschwerden liegen uns bislang kaum vor“, sagt Pfister. „Allerdings ist das Modell auch noch relativ neu und entwickelt sich erst.“ Für einen besseren Schutz der Investoren will seit einigen Tagen auch der Gesetzgeber sorgen. „Das Kleinanlegerschutzgesetz hat uns einen Schritt weitergebracht“, meint Pfister. „Die Plattformen müssen nun eine Art Beipackzettel für die jeweiligen Angebote liefern.“

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