Wirtschaft : Verdient gewonnen

„Die Hauptstadtrocker“ belegen den ersten Platz beim Planspiel Börse

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Kühle Köpfe. Martin Schüler (25), Daniela Rüffer (21), Martin Hackbarth (22), Norman Pappritz (20) mit Lehrerin Manuela Anders.
Kühle Köpfe. Martin Schüler (25), Daniela Rüffer (21), Martin Hackbarth (22), Norman Pappritz (20) mit Lehrerin Manuela Anders.Foto: Paul Zinken

Berlin - „Ich freue mich, dass hier so viel Geld erwirtschaftet wurde. Geld vermehren ist ja gar nicht so einfach, wie man denkt“, sagt Bernd Ehmke und lächelt ein wenig herablassend. Er ist Investmentbanker bei der Landesbank Berlin. An diesem Mittwoch hält er einen Vortrag bei der Siegerehrung des Planspiel Börse der Sparkassen. Den ersten Platz in Berlin belegt das Team „Die Hauptstadtrocker“. Zwischen Anfang Oktober und Mitte Dezember haben die Schüler ihr fiktives Startkapital von 50 000 Euro um 16 297 Euro vermehrt. Damit haben sie sich gegen 590 Gruppen aus 71 Berliner Schulen durchgesetzt. 32 Prozent Rendite in zweieinhalb Monaten. Ehmkes Abteilung kann von einer solchen Performance wahrscheinlich nur träumen. „Bei uns läuft das natürlich anders“ erklärt der Banker den rund 100 Schülern im Quatsch Comedy Club. „Wir werfen hier keine Dartpfeile und wählen zufällig Aktien aus, so wie Sie. Wir haben eine Strategie.“

Von wegen. Die Mehrheit der 25 Teams, die an diesem Abend eine Urkunde in Empfang nehmen, hat die Auswahl zwar tatsächlich dem Zufall überlassen. Oder den persönlichen Vorlieben. Fast alle Schüler hatten Aktien von Porsche oder Daimler im Depot. Und weil Autowerte an der echten Börse gut gelaufen sind, sind sie auch im Spiel gestiegen.

Die Hauptstadtrocker sind anders vorgegangen: Sie haben gerechnet. Martin Hackbarth, Norman Pappritz, Daniela Rüffer und Martin Schüler sind Berufsschüler im Oberstufenzentrum Informationstechnik und Medizintechnik in Neukölln. Sie haben die 175 Wertpapiere, auf die man beim Planspiel Börse setzen kann, benotet und in acht Kategorien eingeteilt. In einer Tabelle haben die Schüler die Quartalszahlen der Unternehmen zusammengetragen, Branchenausblicke erstellt oder verglichen, wie stark die Aktien im Wert schwanken. „Wir mussten auf Papiere mit hoher Volatilität setzen. Schließlich hatten wir nur wenig Zeit“, erklärt Norman Pappritz. Der 20-Jährige, der eine Ausbildung zum Systemelektroniker bei Gravis macht, hat täglich mehrere Stunden damit verbracht, die Tabelle anhand der Nachrichtenlage zu aktualisieren und danach Käufe und Verkäufe zu tätigen. Auch er hatte Autowerte wie Porsche und VW im Depot, Geld gebracht haben aber auch Apple und Infineon.

Bernd Ehmke, der jetzt im Publikum sitzt, nickt anerkennend. 400 Euro erhalten die Hauptstadtrocker für ihren Sieg. Als Pappritz gefragt wird, ob er vorhabe, mit dem Preisgeld an der Börse zu spekulieren, lächelt er müde: „Wenn Sie mir einen Koffer voller Geld geben würden, klar. Aber mit so kleinen Beträgen lohnt sich das nicht.“

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