Wirtschaft : Verdrahtet in Berlin

Vor 125 Jahren wurde das Kommunikationsunternehmen DeTeWe in Kreuzberg gegründet.

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Pioniere am Telefon. DeTeWe baute einst ganze Vermittlungsämter. Foto: DeTeWe
Pioniere am Telefon. DeTeWe baute einst ganze Vermittlungsämter. Foto: DeTeWe

Berlin - Mit einer Nähmaschine fing alles an. Im Jahr 1887 begann der Schlosser Carl Christian Robert Stock, mit ihr Spulen für die damals noch junge Telefonindustrie zu wickeln. Durch den Trick mit der Maschine war er schneller und präziser als die Konkurrenz, die Nachfrage nach seinen Spulen stieg. Stock stellte einen Mitarbeiter ein und gründete am 11. Mai 1887 in Kreuzberg die Firma „R. Stock, Telegraphen“ – den Vorgänger des heutigen Kommunikationsdienstleisters DeTeWe.

125 Jahre später hat das Unternehmen eine bewegende Geschichte mit vielen Brüchen hinter sich. Den Spulen folgten der Aufbau von Vermittlungsämtern, neben Telefonen entwickelte DeTeWe über die Jahre Rohrpostanlagen, Radios, Schreib- und Rechenmaschinen. 1905 wurde das Unternehmen in „Deutsche Telephonwerke“ umbenannt. Während sich Name und Produkt änderten, blieb der Standort Kreuzberg: Seit 1895 sitzt das Unternehmen in der Zeughofstraße. „Wir sind hier verwurzelt“, sagt Christian Fron, Geschäftführer der DeTeWe Communications, wie das Unternehmen heute heißt. Zusammen mit den Mitarbeitern feierte er am Freitag das Firmenjubiläum – mit Sekt und einer Überraschungstüte mit Eiskaffee und DeTeWe-Brezel. Verglichen mit anderen Firmengeburtstagen eine bescheidene Geste.

Als sogenannter Systemintegrator plant DeTeWe heute die Kommunikationssysteme von Unternehmen, installiert und wartet zum Beispiel die Telefonanlagen des Blumenversands Fleurop. Unter den etwa 8000 Kunden finden sich RTL und der Zoo Berlin. „Wir stehen relativ stabil da“, sagt Fron. Noch vor ein paar Jahren war nicht klar, ob DeTeWe das diesjährige Jubiläum erleben würde.

In den 70er und 80er Jahren waren die grünen und beigen DeTeWe-Apparate in der Bundesrepublik weit verbreitet. Dann kam die Wende, und die Ausschläge nach oben und unten wurden größer. 2002 musste DeTeWe sein Produktionswerk in Dahlwitz-Hoppegarten verkaufen, mehr als 300 Arbeitsplätze fielen weg. 2003 machte DeTeWe ein Millionenminus. Das Unternehmen arbeitete damals mit der Post bei dem Aufbau von Vermittlungsstellen zusammen; mit der Digitalisierung brach dieses Standbein weg. Als das Postmonopol 1998 wegfiel, drängten zudem mehr und mehr Konkurrenten auf den Markt.

2005 kam die Wende. Die damalige DeTeWe AG & Co. KG, bei der Herstellung, Direktvertrieb und Service unter einem Dach waren, wurde zerlegt. Das kanadische Unternehmen Aastra Technologies übernahm DeTeWe. Seitdem sind die Kreuzberger nur noch Dienstleister, die Telefone entwickelt Aastra Deutschland. Von den 1319 Mitarbeitern blieben 230 übrig, davon 70 in Berlin.

Hat die DeTeWe nach Jahren, in denen sie sich immer wieder neu erfinden musste, nun ihren Weg gefunden? „Wir müssen flexibel bleiben“, sagt Fron. „Der Wandel in der Technologie ist rasant“. In der Veränderlichkeit der Branche sieht er eine der größten Herausforderung für die Zukunft. Die andere ist der Fachkräftemangel. Um dem vorzubeugen, hat DeTeWe in diesem Jahr eine Akademie für 25 junge Menschen gestartet.

Ein wenig mehr als Brezel wird es demnächst auch geben: Mit den Kunden feiert die Firma ab nächster Woche an ihren 17 Standorten, und mit den Mitarbeitern im Juni ein großes Fest. Anika Kreller

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