Vereinbarkeit von Familie und Beruf : Chefinnen haben es leichter

Eine Studie zeigt: Firmenchefinnen und Selbständige sind im Vorteil, wenn es darum geht, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen.

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Die vierfache Mutter Sigrid Nikutta steht an der Spitze der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Im Juni erwartet sie ihr fünftes Kind.
Die vierfache Mutter Sigrid Nikutta steht an der Spitze der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Im Juni erwartet sie ihr fünftes...Foto: dpa

Vollzeit arbeiten, auf dem Chefsessel sitzen und Kinder großziehen? Für Unternehmerinnen und selbstständige Arbeitnehmerinnen in Deutschland ist das offenbar gar kein Problem. Dagegen fällt es Angestellten vergleichsweise schwer, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Umfrage des Verbandes deutscher Unternehmerinnen (VdU) und der Deutschen Bank, die am Dienstag vorgestellt wurde. Knapp 40 Prozent der Befragten gaben demnach an, Unternehmertum und Elternschaft ließen sich besonders gut vereinbaren. Für 14 Prozent war die Familiengründung sogar der Auslöser für die Selbstständigkeit; elf Prozent hat die Freiberuflichkeit dagegen von der Familiengründung abgehalten.

Ein Schwerpunkt der Studie ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Für die nicht repräsentative Langzeitstudie befragen VdU und Deutsche Bank einmal pro Jahr deutsche Unternehmerinnen und Entscheider in mittelständischen Unternehmen zu ökonomisch und politisch aktuellen Themen. Der VdU vertritt 1600 Unternehmerinnen in ganz Deutschland. Knapp 300 von ihnen haben sich an der diesjährigen Befragung beteiligt. Ein Schwerpunkt der Studie beleuchtet die Rahmenbedingungen in den Unternehmen für ein ausgeglichenes Verhältnis von Privatem und Professionellem. „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hilft nicht nur den Müttern und Vätern, zufriedene Arbeitnehmer liegen im ureigensten Interesse des Unternehmens“, sagte Martina Eich-Ehren von der Deutschen Bank bei der Vorstellung der Studie.

Flexibilität wird für die Beschäftigten immer wichtiger

Ihr zufolge gelingt das am ehesten, wenn die Beschäftigten ihre Arbeit flexibel gestalten können – und zwar sowohl mit Blick auf die Arbeitszeit als auch den Arbeitsort. 77 Prozent, also mehr als zwei Drittel der befragten Firmenchefinnen, halten flexible Arbeitszeiten für das wichtigste Instrument, um Privates und Professionelles unter einen Hut zu bringen. Zudem befürworten mehr als 70 Prozent der Befragten, die Arbeitszeit im Unternehmen künftig nicht mit Blick auf einen Arbeitstag sondern die ganze Woche zu definieren.

Unternehmerinnen können sich ihre Zeit freier einteilen als Angestellte

VdU-Präsidentin Stephanie Bschorr, die selbst Firmenchefin und Mutter von zwei Söhnen ist, gibt zu, dass Unternehmerinnen derzeit im Gegensatz zu Angestellten eindeutig privilegiert sind, wenn es um flexibles Arbeiten geht: „Sie können selbst entscheiden, wann sie arbeiten und wie lange sie dies tun.“ Dagegen haben einfache Beschäftigte in ihren Unternehmen oft nicht die Wahl und müssen sich nach dem Takt des Arbeitgebers richten. Als Kompromiss hin zu mehr Flexibilität bieten immer mehr Firmen ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, zu Hause fürs Unternehmen zu arbeiten. Allerdings hat sich das Home Office offenbar weder in allen Branchen noch als Standard für alle Beschäftigten etabliert, sondern wird nur bestimmten Mitarbeitern oder in besonderen Situationen zugestanden.

Besonders viele Frauen arbeiten Teilzeit

Viele Angestellte nutzen zudem ihr Recht auf Teilzeitarbeit, um sich um Kinder oder ältere Angehörige zu kümmern. Arbeitgeber müssen diesem Wunsch entsprechen, sofern der Betrieb durch die Arbeitszeitverkürzung nicht eingeschränkt wird. In Deutschland machen von dieser Regelung nach wie vor hauptsächlich Frauen Gebrauch. Und das hat nicht nur erhebliche Gehaltseinbußen zur Folge: Familiäre Auszeiten führen am Ende des Erwerbslebens auch zu einer reduzierten Rente. Laut VdU setzen weibliche Beschäftigte hierzulande im Durchschnitt vier Jahre beruflich aus, um Kinder zu großzuziehen.

Eine Familienarbeitszeit halten die Unternehmerinnen nicht für zielführend

Eine „Familienarbeitszeit“ von 32 Stunden pro Woche mit Lohnausgleich sehen die Unternehmerinnen skeptisch. Lediglich 24 Prozent gaben an, dass eine solche Regelung in ihrem Unternehmen gut umsetzbar wäre. 22 Prozent stellen sich dies schwierig vor. Die Familienarbeitszeit wird insbesondere von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) verfochten. Die Union ist dagegen.

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