Wirtschaft : Vereinfachte Buchhaltung soll den Mittelstand entlasten

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Berlin - Die deutsche Rechnungslegung wird mehr und mehr durch internationale Standards ersetzt. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fürchtet, dass bei der Vereinheitlichung nicht auf Wünsche des Mittelstands eingegangen wird. Derzeit arbeitet ein Expertengremium in London an internationalen Richtlinien für die Rechnungslegung mittelständischer Unternehmen. Die bis jetzt bekannten Pläne seien für deutsche Familienunternehmen viel zu kompliziert, sagte Klaus Bräunig, Mitglied der BDI-Geschäftsführung.

Unterstützung bekommt er von Sven Hayn, Partner bei den Wirtschaftsprüfern Ernst & Young. Er sagt: „Zahlreiche Bewertungsregeln sind problematisch.“ So müssten beispielsweise immaterielle Vermögenswerte wie einer Kundenkartei jedes Jahr von Gutachtern neu bewertet werden. Das sei für viele Firmen zu teuer und aufwändig.

Das Londoner Gremium International Accounting Standard Board (IASB) entwickelt einheitliche Bilanzregeln – die so genannten International Financial Reporting Standards (IFRS). Große kapitalmarktorientierte Unternehmen müssen die IFRS seit 1. Januar 2005 anwenden. Die Europäische Kommission verpflichtet die Firmen in den Mitgliedsstaaten per Verordnung dazu.

Laut BDI hat sich auch der Druck auf Mittelständler erhöht, ebenso wie die Großen die IFRS anzuwenden. So seien Bilanzen international vergleichbar. Doch seien viele Vorschriften für mittlere Unternehmen nicht praktikabel. Deshalb hat das IASB in London eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die die Regeln für den Mittelstand abwandeln soll. In der sitzt auch ein BDI-Vertreter.

Doch offenbar hat sich der BDI-Mann mit seinen Ideen nicht durchgesetzt. Laut Bräunig orientieren sich die bisherigen Vorschläge zu sehr an den Bilanzregeln für große Unternehmen. Er fordert ein Umsteuern beim Treffen der IASB-Arbeitsgruppe nächste Woche.otr

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