Wirtschaft : Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft: Spitzenfunktionäre stellen Weichen in Richtung Verdi

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Die Spitzen von fünf Einzelgewerkschaften haben in Magdeburg endgültig die Weichen zur Gründung der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) gestellt. Die Gründungsorganisation habe während einer zweitägigen Sitzung die Satzung und die Finanzrichtlinie der neuen Gewerkschaft beschlossen, sagte der amtierende Sprecher der Gründungsorganisation, IG Medien-Chef Detlef Hensche, am Montag in Magdeburg. Die finanzielle Budgetierung von Organisationsebenen und Fachbereichen war unter den Gründungsmitgliedern von Verdi lange Zeit heftig umstritten.

Kommt es nun, wie angestrebt, im März in Berlin zur Verschmelzung von ÖTV, der Gewerkschaft Handel, Banken, Versicherungen (HBV), Deutscher Postgewerkschaft (DPG), IG Medien und DAG, würde Verdi mit gut drei Millionen Mitgliedern die weltweit größte Einzelgewerkschaft sein und Angehörige von nahezu 1000 Berufen vertreten. Dazu werden 13 Fachbereiche gebildet, die mit eigenen finanziellen Budgets und weit reichenden eigenständigen Zuständigkeiten, etwa in der Tarifpolitik ausgestattet werden.

"Die hier in Magdeburg verabschiedete Satzung sowie der Grundlagenbeschluss sind nicht mehr verhandel- und veränderbar und bilden die Grundlagen für den Verschmelzungskongress im März in Berlin", sagte Hensche. In ihrer Organisationsstruktur werde Verdi ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der vereinten Kompetenz der neuen Gewerkschaft und den Traditionen ihrer Gründungsmitglieder darstellen. Die Spitzen der fünf Einzelgewerkschaften zeigten sich denn auch zuversichtlich, dass in allen Gründungsgewerkschaften die erforderliche Mehrheit zur Verschmelzung zusammen kommt.

Das unterstrich auch ÖTV-Chef Herbert Mai. "Unsere neun Mitglieder in der Gründungsorganisation haben heute einmütig die Beschlüsse mitgetragen", sagte er. "Und der ÖTV-Vorstand hat die Beschlussvorlage für unsereren Gewerkschaftstag im November in Leipzig mit einer Mehrheit von 85 Prozent verabschiedet." Deshalb sei er zuversichtlich, dass in seiner Gewerkschaft die notwendigen 80 Prozent der Delegiertenstimmen für die Verschmelzung unter ÖTV-Beteiligung zusammen komme, auch wenn der Prozess auf einigen Ebenen der Gewerkschaft durchaus umstritten sei. So hat der ÖTV-Bezirk Sachsen-Anhalt erst kürzlich alle Aktivitäten und Verhandlungen zur Verdi-Verschmelzung eingestellt. ÖTV-Bezirkschef Manfred Bartsch hatte den Prozess als "aussichtslos" bezeichnet.

Die letzte Hürde vor der Verdi-Gründung ist eine Funktionärskonferenz des DGB im November. Dabei sollen organisatorische Zuständigkeiten abschließend geklärt werden. Denn viele Mitglieder, die die DAG in die neue Dienstleistungsgewerkschaft einbringt, müssten nach dem Organisationsprinzip des DGB in anderen DGB-Mitgliedsgewerkschaften organisiert sein. Insbesondere mit der IG Metall liegt die DAG über Zuständigkeiten im Clinch.

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