Wirtschaft : Vereins- und Hypo-Bank genehmigen sich Milliarden

Deutsche Bank verkauft ihre Vereinsbank-Anteile

MÜNCHEN(Tsp/dpa).Die Bayerische Vereinsbank will ihr Grundkapital um nominal 180 Mill.DM erhöhen, um drei Mrd.DM für den Aufbau des gemeinsamen Bankkonzerns mit der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank einzunehmen.Nach der Fusion zur zweitgrößten Bank in Deutschland wollen beide Münchener Institute sich zu einer "Super-Regionalbank" auf europäischer Ebene entwickeln.Das sagte der Vereinsbank-Chef und künftige Vorstandssprecher des vereinigten Bankkonzerns, Albrecht Schmidt, am Dienstag in München. Die neue Großbank wolle vor allem Privatkunden und den Mittelstand ansprechen.Die Palette reiche vom Telefonbanking über die Immobilie bis zur Außenhandelsfinanzierung.Ein Einstieg in das weltweite Investmentbanking sei nicht geplant.Die Struktur des neuen Bankkonzerns soll in etwa fünf Jahren stehen.Die Gewerkschaft HBV erwartet als Folge den Abbau von 6000 Stellen und der Schließung von jeder fünften Zweigstelle. Großaktionär der neuen Bank mit 740 Mrd.DM Bilanzsumme und 40 000 Beschäftigten ist die Allianz mit einem Anteil von 15 bis 17 Prozent.Die Versicherung beteiligt sich auch an der Kapitalerhöhung der Vereinsbank, während die Deutsche Bank nach eigenen Angaben ihre Vereinsbank-Beteiligung von 5,2 Prozent wieder verkauft hat.Binnen 15 Monaten dürfte die Deutsche Bank dabei nach Berechnungen von Analysten Kursgewinne von 600 Mill.DM erzielt haben.Die Deutsche Bank selbst erklärte, sie habe die positive Kursentwicklung der letzten Monate genutzt. Weil die Allianz auch an der Dresdner Bank AG (Frankfurt/Main) mit knapp 22 Prozent beteiligt ist, spekulieren Finanzkreise über eine künftige Zusammenarbeit der Dresdner mit dem neuen Münchener Bankriesen.Dazu sagte Schmidt, aus den großen Allianz-Paketen könne nicht auf ein gemeinsames Dach geschlossen werden.Die neu strukturierte Bank wird voraussichtlich im September 1998 am Markt operativ tätig werden.Nach einem Aktienumtausch (Hypo- in Allianz-Aktien) als erster Fusionsstufe hält die Vereinsbank jetzt 45 Prozent an der Bayern-Hypo. Die Kapitalerhöhung als zweite Stufe kommt am 10.Oktober.Der Ausgabepreis der neuen Aktien steht noch nicht fest.Das Grundkapital soll um nominal 180 Mill.DM in zwei Schritten erhöht werden.95 Mill.DM werden den heutigen Aktionären mit Bezugsrecht (14 zu eins) angeboten.85 Mill.DM werden weltweit Großanlegern angeboten.Für diesen Anteil wird der Preis in einer Preisspanne ermittelt (Bookbuilding).Preisfeststellung und Zuteilung sollen Anfang November erfolgen. Der Fusion müssen noch die Hauptversammlungen im Frühjahr 1998 zustimmen.Neben dem Filialnetz in Bayern und Norddeutschland (Vereins- und Westbank) sollen in Nordrhein-Westfalen Niederlassungen eröffnet werden.Als Aufsichtsratsvorsitzender der neuen Großbank wird der MAN-Aufsichtsratschef Klaus Götte vorgeschlagen.Der Vereinsbank-Aufsichtsratschef Maximilian Hackl soll Ehrenvorsitzender werden.Der Vorstandssprecher der Hypo-Bank, Eberhard Martini, soll im Herbst 1998 in den Aufsichtsrat der Vereinsbank wechseln. Mit der Kapitalerhöhung versucht die Vereinsbank, ihr Eigenkapital zu vermehren.Bei Personengesellschaften geschieht dies durch Einlagen des Einzelkaufmanns oder der Gesellschafter oder durch Verzicht auf Gewinnausschüttung.Bei Kapitalgesellschaften - wie der Vereinsbank - durch die Erhöhung des Nennkapitals gegen Ausgabe neuer Anteile.Wie eine Kapitalerhöhung bei Aktiengesellschaften auszusehen hat ist gesetzlich geregelt.Sie bedarf unter anderem eines Beschlusses der Hauptversammlung mit einer Mehrheit von drei Vierteln des vertretenen Grundkapitals.

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