Wirtschaft : Verfahren gegen die Telekom verzögert sich Anlegerschützer kritisieren Ermittler

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Berlin – Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Staatsanwaltschaft in Bonn eingereicht. Sie wirft der Staatsanwaltschaft allzu langsame Ermittlungsarbeit im Fall Deutsche Telekom vor. „Vor viereinhalb Jahren wurde das Verfahren wegen Falschbilanzierung eingeleitet, auf Ergebnisse warten wir immer noch“, sagte DSW Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker.

Die Staatsanwälte ermitteln unter anderem gegen den ehemaligen Telekom- Chef Ron Sommer und andere frühere Telekom- Manager. Der Vorwurf: Die Telekom soll ihr Immobilienvermögen in der Bilanz nicht richtig bewertet haben. Die Bonner Staatsanwaltschaft sieht der Beschwerde gelassen entgegen. Sie werde kaum Aussicht auf Erfolg haben, sagte Oberstaatsanwalt Fred Apostel. Die Vorwürfe seien auch nicht „fair“, denn die Mitarbeiter hätten den komplizierten Fall nicht zögerlich, sondern sehr intensiv bearbeitet. Die vor mehr als drei Jahren aufgenommenen Ermittlungen zur Immobilienbewertung in der Telekom-Bilanz dauerten an, sagte Apostel.

Die Dienstaufsichtsbeschwerde der DSW kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich viele Anleger entscheiden müssen, ob sie noch eine zivilrechtliche Klage gegen die Telekom auf Schadenersatz beim Landgericht Frankfurt einreichen wollen. Das können noch die rund 17000 Anleger tun, mit denen sich die Telekom nicht in einem Schlichtungsverfahren bei der Schiedsstelle Öra in Hamburg einigen will. Das Beweismaterial, das die Staatsanwälte in Bonn sammeln, könnte in den Zivilprozessen eine wichtige Hilfe sein. „Unsere Gutachter sagen uns, dass die Klagen ohne die Erkenntnisse aus der staatsanwaltlichen Ermittlung kaum Chancen haben“, sagte ein DSW-Sprecher dem Tagesspiegel. Daher rät die DSW allen Anlegern, die keine Rechtsschutzversicherung haben, wegen der anfallenden Gerichts- und Anwaltskosten von einer Klage ab. vis/dpa

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