Wirtschaft : Verführte Verbraucher

Auch Privatleute nehmen immer mehr Kredite auf

Martin Uebele

Einer der prominentesten deutschen Privatpleitiers heißt Wolfgang Lippert, einstiger „Wetten, dass?“-Moderator. Erst ging es mit seiner Karriere bergab, dann folgte der finanzielle Ruin. Lippert hatte sein Vermögen in Immobilien angelegt. Sein Pech: Er saß einem inzwischen wegen Betrugs verurteilten Makler auf und erlitt große Verluste bei der Vermietung seiner Wohnungen im Wert von 2,5 Millionen Euro. Deswegen musste er im August 2002 private Insolvenz anmelden.

Schulden müssen aber nicht immer in den Ruin führen – wenn der Schuldner die Übersicht über die Finanzen behält. Ein Verbraucherkredit überbrückt finanzielle Engpässe und sorgt so für Konsum. Konjunkturpolitisch ist das durchaus erwünscht, solange die Menschen sich nicht übernehmen. Die Zahl der Überschuldeten nimmt aber in Deutschland inzwischen bedrohliche Ausmaße an. Etwa 2,7 Millionen Haushalte können ihre Zinsen nicht mehr bezahlen. Der Grund ist, dass es immer mehr und neue Wege gibt, Schulden zu machen, sagt Anne Sahm, Rechtsanwältin bei der Auskunftei Creditreform. „Leasing, Raten-, und Kreditkartenzahlungen sind heute ganz normale wirtschaftliche Vorgänge. Sich für Konsumgüter zu verschulden, ist selbstverständlich geworden.“

Die Deutschen gehen damit einen Weg, den die US-Amerikaner schon lange beschreiten: Die geben locker und gerne Geld aus, das sie erst noch verdienen müssen. „Es gibt mehr Konsumentenkredite pro Kopf in den USA als in Deutschland“, sagt Raimund Milz, Acting General Manager von Visa Deutschland. Doch die Deutschen holen auf – das Volumen der Konsumentenkredite hat sich hier zu Lande in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Bei den Privatinsolvenzen könnten demnach bei uns bald amerikanische Verhältnisse herrschen: Auf 100000 Bewohner kommen in den USA 162 Pleitiers – in Deutschland sind es erst 56.

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