Wirtschaft : Vergeblicher Einsatz für den Blauen Engel

Der Umweltminister will das Gütezeichen für Handys – doch die Industrie ignoriert es

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Berlin (vis). Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Bündnis90/DieGrünen) lässt nicht locker – und kommt dennoch nicht voran. Der Minister möchte, dass Kunden künftig besonders strahlungsarme Handys kaufen können, die mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ ausgezeichnet sind. Das Siegel gibt es längst. Aber kein Hersteller benutzt es – sehr zum Ärger des Ministers. Und das obwohl das Bundesamt für Strahlenschutz ermittelte, dass etwa 22 Prozent der im Handel verfügbaren Mobiltelefone die Anforderungen für das Siegel erfüllen. Doch Handyhersteller wie Netzbetreiber halten das Siegel für ungeeignet. Die gesetzlichen Grenzwerte reichten aus, heißt es. Außerdem fürchtet die Industrie, dass das Siegel die Diskussion über Gesundheitsgefahren durch elektromagnetische Strahlung anheizt.

Dabei kann Umweltminister Trittin sonst ganz zufrieden sein mit der Mobilfunkindustrie. Die hatte sich im Dezember 2001 in einer freiwilligen Selbstverpflichtung bereit erklärt, künftig enger und besser mit den Kommunen beim Aufstellen neuer Mobilfunksendemasten zu kooperieren, Geld in die Forschung über Mobilfunkstrahlung zu stecken und mehr für den Verbraucherschutz und die Verbraucherinformation zu tun. Und sie sagten zu, sich bei den Handyherstellern für die Entwicklung besonders strahlungsarmer Handys einzusetzen. Am Dienstag veröffentlichte das Umweltministerium die Ergebnisse eines Gutachtens, das jährlich erstellt wird, um die Einhaltung der Selbstverpflichtung zu überprüfen. Die Gutachter ziehen insgesamt eine positive Bilanz, stellen aber erhebliche Mängel bei einem Trittin besonders wichtigen Thema fest: Zwar informieren die Unternehmen auf ihren Internetseiten ausführlich über das Thema Handystrahlung, doch vor Ort in den Geschäften sind die Mitarbeiter meist ahnungslos.

„Kein Wunder“, kontert die Industrie, „kaum ein Kunde interessiert sich für die Strahlungswerte.“ Der gesetzliche Grenzwert liegt bei einem SAR-Wert (siehe Lexikon) von zwei Watt pro Kilogramm. Einen Blauen Engel vergibt die Jury Umweltzeichen dagegen nur bis zu einer Marke von 0,6. Der Bundesgerichtshof hat zuletzt die bestehenden Grenzwerte gebilligt. Es gebe bisher keinerlei Nachweise, dass die Strahlung innerhalb der zulässigen Grenzwerte die Gesundheit schädige. Das macht Trittins Einsatz für den Blauen Engel um so schwerer.

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