Vergleichsstudie : Löhne in Deutschland sinken weiter

In Deutschland haben die Löhne in den vergangenen zehn Jahren deutlich weniger zugenommen als im weltweiten Vergleich. Das teilte die Internationale Arbeitsorganisation am Mittwoch mit.

In ihrem „Global Wage Report 2010/2011“ würdigte die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) zwar Deutschlands Flexibilität am Arbeitsmarkt in der Krise. Die realen Löhne und Gehälter seien zwischen 2000 und 2009 allerdings um 4,5 Prozent gesunken. Deutschland hinke damit im internationalen Vergleich deutlich hinterher. Grund dafür seien moderate Tarifabschlüsse und die Zunahme von Zeitarbeit und Minijobs.

In Finnland und Norwegen etwa gab es im gleichen Zeitraum jeweils ein Plus von mehr als 20 Prozent. ILO-Experte Malte Lübker kritisierte, dass sich die Löhne in Deutschland zunehmend von der Entwicklung der Produktion entkoppelt hätten. Dies sei auch in Südkorea, den USA und Japan der Fall. Das Statistische Bundesamt war kürzlich auf vergleichbare Zahlen gekommen. Die Folge dieser Entwicklung ist laut ILO eine Umverteilung der Einkommen: Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen steigen, die der Arbeitnehmer sinken. Die Lohnsteigerungen müssten sich daher an der Entwicklung der Produktivität orientieren, verlangte die Organisation.

Gleichwohl attestierte die ILO der Bundesrepublik eine gute Politik während der Krise. Dies sei unter anderem auf gesetzliche Verbesserungen bei der Kurzarbeit, den Einsatz von Arbeitszeitkonten und einen guten Dialog zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern zurückzuführen.

Durch die Finanzkrise haben sich die weltweiten Lohnzuwächse halbiert. Die realen (inflationsbereinigten) Löhne legten 2009 im weltweiten Durchschnitt nur noch um 1,6 Prozent zu – nach 2,8 Prozent vor Ausbruch der Krise 2007. Nimmt man China mit seinem starken Aufschwung aus der Statistik heraus, ging das Wachstum sogar um zwei Drittel von 2,2 Prozent auf 0,7 Prozent zurück. „Die Rezession hatte nicht nur dramatische Auswirkungen für Millionen von Arbeitnehmern, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, sondern auch für viele von denen, die ihren Job behalten haben“, sagte ILO-Generalsekretär Juan Somavia. (reu)

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