Wirtschaft : Verhaltene Kritik des britischen Gewerkschaftschefs

fmd

Der Rückzug von BMW könnte das deutsch-britische Verhältnis belasten. Es hängt davon ab, so John Monks, Generalsekretär des britischen Gewerkschaftsdachverbandes TUC, wie sich BMW jetzt verhalte. Rover sollte an Investoren verkauft werden, die die Produktion fortführen, sagte Monks dem Handelsblatt. "Asset-Stripper", also Unternehmen, die Rover zerschlagen und in Teilen verwerten wollen, seien nicht erwünscht. Am liebsten wäre es Monks, wenn die Rover-Investorengruppe Alchemy einen traditioneller Autokonzern als Käufer fände. Die Belegschaft würde jubeln, wenn es Volkswagen wäre, so Monks. Aber danach sähe es zur Zeit nicht aus.

Auch wenn Monks BMW noch beim Verkauf in die Pflicht nehmen will, kommt keine allgemeine Kritik an deutschen Investoren von seinen Lippen. "Deutsche Unternehmen benehmen sich gut im Land", urteilt Monks. Bernd Atenstaedt, Repräsentant des Bundesverbands der Deutschen Industrie in Großbritannien, glaubt nicht, dass Großbritannien generell als Investitionsstandort an Attraktivität für deutsche Unternehmen eingebüßt hat. Derzeit seien 1500 deutsche Unternehmen auf der Insel vertreten, jährlich kämen etwa 50 dazu. Direkt beschäftigt seien 100 000 Mitarbeiter, indirekt würden 200 000 Arbeitsplätze in Großbritannien von der Präsenz deutscher Unternehmen abhängen. Rund 60 Milliarden Pfund hätten deutsche Firmen bislang in Großbritannien inklusive Übernahmen (One 2 One / Deutsche Telekom, Orange / Mannesmann) investiert. Für Deutschland sei Großbritannien nach Frankreich und den USA der drittwichtigste Exportmarkt.

Dass der Ruf deutscher Unternehmen durch den Rückzug von BMW Schaden nehmen könnte, sieht Atenstaedt nicht. Selbst das Boulevardblatt "Sun", sonst immer zur Stelle, wenn es gegen die "Krauts" geht, fand überraschenderweise keinen Anlass zur Kritik. Gewerkschaftsboss Monks bestätigt, dass BMW nach wie vor Respekt genieße. Dem Konzern sei es jedoch nicht gelungen, die "Magie seiner Marke" auf Rover zu übertragen. Das Management des Münchener Autokonzerns, dessen Fahrzeuge über einen phantastischen Ruf verfügten, habe die Herausforderung unterschätzt.

Für ein Desaster hält es Monks, dass das Werk in Longbridge, übrigens das größte Automobilwerk Großbritanniens mit rund 9000 Beschäftigten, wegen Produktivitätsmängeln ins Gerede kam, als die neue Limousine R 75 lanciert wurde. Das habe das Rover-Image gerade in Großbritannien erheblich beschädigt. Es habe Rover nicht gutgetan, dass BMW-Manager immer wieder auf die schlechte Performance von Longbridge hingewiesen hätten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar