Verhandlungen dauern an : Airbus kämpft an vielen Fronten

Der europäische Flugzeugbauer erlebt in den Tagen Höhen und Tiefen. Eine bisher ausgebliebene Entscheidung der Bundesregierung kann die Bilanz retten.

Daniel Mosler
Die iranische Regierung hofft auf eine umfassende Modernisierung seiner Flotten.
Die iranische Regierung hofft auf eine umfassende Modernisierung seiner Flotten.Foto: REUTERS

Für den Flugzeugbauer Airbus sind es momentan schwere Tage. Der europäische Gemeinschaftskonzern kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig: während eine bereits verloren scheint, eröffnen sich bei einer anderen ganz neue Möglichkeiten. Nur eine bisher ausgebliebene Entscheidung der Bundesregierung konnte so unter dem Strich eine positive Bilanz bringen.

Airbus bald auch auf Farsi

Es war eine wenig überraschende Meldung, die vor einigen Tagen die Runde machte: der Flugbauer Airbus liefert über 100 Flugzeuge an iranische Fluggesellschaften. Bereits vergangenen Mittwoch unterzeichnete Irans Präsident Hassan Rohani einen Liefervertrag über 127 Maschinen aus der europäischen Flugzeugschmiede. Zum Auftragspaket zählen Unternehmensangaben zufolge auch 16 Flugzeuge des nagelneuen Langstreckenjets A350 sowie A320 und A330. Auch einige gebrauchte A340 Modelle stehen auf Teherans Bestellliste.

Besonders wichtig für Airbus: iranische Fluggesellschaften wollen insgesamt acht Riesenjets vom Typ A380 erwerben. Airbus kann damit auf einen Befreiungsschlag hoffen, denn die Bestellungen für das weltgrößte Passagierflugzeug gingen stetig zurück - ein Produktionsstopp drohte. Im vergangenen Jahr gab es gerade mal zwei Neuaufträge.

Iran tritt seit Jahrzehnten auf der Stelle

Irans Präsident Hassan Rohani ist momentan Dauergast bei westlichen Unternehmen. Denn nach mehr als drei Jahrzehnten der Sanktionen ist der Iran technologisch ausgehungert. Ein Großteil der Handelsbeschränkungen zielte auf den Technologieimport ab: Viele hochspezialisierte Anlagen und Geräte dürfen nicht in den Iran exportiert werden.

Das traf vor allem die iranische Schwerindustrie hart: in vielen Bereichen herrscht Mangelwirtschaft - oft sind die Anlagen noch auf dem Stand von vor den Sanktionen. Da auch wichtige Ersatzteile fehlen, sank die Leistung vieler Industriebereiche sogar während der Sanktionen - beispielsweise bei der Erdölproduktion.

Doch nicht nur der industrielle Bereich dürstet nach moderner Technik - auch die Fluggesellschaften benötigen dringend Ersatzteile für ihre Maschinen. Neubeschaffungen von amerikanischen oder europäischen Maschinen war aufgrund der Sanktionen nicht möglich.

In Folge dessen beträgt das Durchschnittsalter der Flotten international verkehrender iranischer Fluglinien 27 Jahre - viele Modelle haben sogar mehr als 35 Jahre auf dem Buckel. Das hohe Alter treibt die Wartungs- und Treibstoffkosten in die Höhe. Wegen der veralteten Technik haben nur wenige iranische Fluggesellschaften Zugang zu internationalen Flughäfen. Hierzulande stehen nur die staatliche Iran Air und die private Fluglinie Mahan Air Iranreisenden zur Verfügung.

Airbus verliert in Polen

Während die Zivilsparte des europäischen Flugzeugbauers Erfolge vermelden kann, bereitet die Militärsparte Sorgen: Die neue polnische Regierung tritt womöglich von dem drei Milliarden Dollar schweren Kauf von Airbus -Militärhubschraubern zurück. Angesichts der großen Differenzen in den Verhandlungen sei es "sehr wahrscheinlich", dass der im April von der Vorgängerregierung geschlossene Vorvertrag zurückgezogen werde, sagte Vize-Verteidigungsminister Bartosz Kownacki der Zeitung "Rzeczpospolita" am Dienstag.

Die nationalkonservative PiS-Partei, die seit Oktober im Amt ist, hat bereits wiederholt erklärt, den Auftrag lieber an einen Hersteller zu vergeben, der auch in Polen produziert. Im Gegensatz zu Airbus betreiben die Mitbewerber Sikorsky und AgustaWestland Fabriken in dem Land. Die Neuvergabe an Airbus Mitbewerber erscheint nun immer wahrscheinlicher. Möglich wäre Branchenexperten zufolge aber auch die Beschaffung russischer Modelle.

Auftrag an Airbus-Konkurrenten?

Sollte Airbus nun doch nicht die 50 Mehrzweckhubschrauber vom Typ Caracal liefern, dürfte sich eins von Polens wichtigsten Rüstungsprogrammen verzögern. Ursprünglich hatte das Land angesichts der Krise in der Ukraine bei der Modernisierung seiner Militär-Hubschrauber aufs Tempo gedrückt.

Laut Kownacki steht Polen möglicherweise besser da, wenn der Deal nicht zustande kommt und der Staat eine potenzielle Strafe zahlt. Der Zeitung zufolge sollen die Verhandlungen zwischen Polen und Airbus bis zum 10. Februar beendet sein. Ein Airbus-Sprecher teilte mit, die Gespräche dauerten an. Am Montag hatte der Chef der Sparte Airbus Helicopters, Guillaume Faury, gesagt, er hoffe, den Vertrag noch im laufenden Jahr zu besiegeln.

Verkauf von Rüstungs-Teilgeschäft verzögert sich

Der angestrebte Verkauf von Teilen des Airbus-Rüstungsgeschäfts ist noch nicht unter Dach und Fach. Die Verhandlungen zwischen zwei noch verbleibenden Kaufinteressenten und der Bundesregierung dauern Konzernangaben noch an. „Wir können bestätigen, dass die Verhandlungen andauern, eine letzte Entscheidung ist aber noch nicht gefallen“, sagte ein Airbus-Sprecher am Dienstag.

Eine Prüfung, ob ein Verkauf nach dem deutschen Außenwirtschaftsgesetz genehmigungsfähig ist, ist dem Wirtschaftsministerium zufolge derzeit noch nicht möglich. Schließlich liege noch kein Vertragsabschluss vor. Daher gebe es auch noch keinen entsprechenden Antrag der neuen Eigentümer.
Airbus hatte im September 2014 angekündigt, Teile seiner Rüstungssparte verkaufen zu wollen. Dazu zählt das Geschäft mit Radar, elektronischer Kriegsführung und Grenzüberwachung.

Die Rüstungssparte ist seit Jahren eine Baustelle für den Konzern, Airbus bekam die Sparpolitik der europäischen Regierungen und den harten Wettbewerb zu spüren, zudem belasteten Verzögerungen und Probleme mit der A400M das Unternehmen. (mit Reuters)

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