Wirtschaft : Verhandlungen mit US-Konzern über Verkauf von Strato - Bertelsmann scheint aus dem Rennen zu sein

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Die Berliner Teles AG verhandelt mit einem namhaften US-Konzern über den Verkauf ihrer Internet-Tochter Strato. Die Gespräche mit dem Medienkonzern Bertelsmann seien bis auf weiteres unterbrochen, sagte Teles-Chef Sigram Schindler am Freitag dem Tagesspiegel. Bertelsmann Multimedia hatte vor gut zwei Monaten konkretes Interesse an der auf Internet-Dienstleistungen spezialisierten Strato bekundet. "Unsere jetzigen Gesprächspartner bieten deutlich mehr Geld", sagte Schindler zur Begründung. Es gehe um einen Betrag von "weit über 100 Millionen Mark". Teles hatte Strato im Oktober 1998 für 30 Millionen Mark erworben. "Wir wollen den Deal bis zur Analysten-Konferenz am 25. November im Kasten haben", so Schindler. Eine Schwierigkeit in den laufenden Verhandlungen bestehe darin, dass der mögliche Partner ("ein großer Name") Strato vollständig kaufen wolle. "Wir wollen aber beteiligt bleiben", so der Teles-Chef. Das Unternehmen solle bereits im kommenden Jahr an die Börse gebracht werden und sei dort "ein Vielfaches seines derzeitigen Kaufpreises wert". Teles wolle an der erwarteten Wertsteigerung teilhaben.

Das Berliner Telekommunikations-Unternehmen, dessen Aktien am Neuen Markt der Frankfurter Börse notiert werden, sucht einen Käufer für Strato, weil das Geschäft der Tochter nicht zum Kerngeschäft der Berliner gehört. Strato ist nach eigenen Angaben mit über 230 000 Internet-Adressen in Europa Marktführer im Betrieb von Internet-Präsenzen. Die Bertelsmann-Tochter AOL hatte einen Vermarktungsvetrag mit Teles geschlossen. Über die Marketing- und Vertriebskanäle von Strato sollen Neukunden für den Online-Dienst AOL gewonnen werden. Schindler zufolge sind im Management der Strato zuletzt "Risiken entstanden". So seien Kapazitätsengpässe entstanden und Verträge mangelhaft abgeschlossen worden. Strato brauche jetzt einen professionellen Partner, der die Gesellschaft "schneller, als wir erwartet haben" aufbaue und im Internetgeschäft strategisch ausrichte. Der Standort Berlin soll Schindler zufolge erhalten bleiben. "Die Mitarbeiter haben keinen Anlass, um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze zu fürchten." Beschäftigte hatten vermutet, ein möglicher Käufer sei nur an den Internet-Adressen, nicht aber am Fortbestand des Unternehmens interessiert.

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