Verhandlungen über Erdgasfeld und Ostsee-Pipeline : BASF und Gazprom einigen sich auf Erdgas-Deal

BASF und Gazprom wollen nun doch Firmenanteile bis zum Jahresende tauschen – und die Ostsee-Pipeline ausbauen.

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Auch die Ostsee-Pipeline soll von dem BASF-Gazprom-Deal profitieren.
Auch die Ostsee-Pipeline soll von dem BASF-Gazprom-Deal profitieren.Foto: Stefan Sauer/dpa

Der Plan war fertig verhandelt und lag dann auf Eis. Nun scheint die Zeit reif zu sein. So wollen der Chemiekonzern BASF und der russische Gasexportmonopolist Gazprom ihr politisch heikles Geschäft nun doch schnell abschließen: Bis Jahresende wollen sie den Ende 2014 gestoppten Tausch von Firmenanteilen wie geplant vollziehen. Für eine sichere Energieversorgung Europas werde auch weiterhin Erdgas aus russischen Quellen gebraucht, rechtfertigte BASF am Freitag das Abkommen.

BASF Winshall erhält Anteil an Gasfeld, Gazprom Zugang zu Kunden

Die Vereinbarung sieht vor, dass die BASF-Tochter Wintershall 25 Prozent plus einen Anteil an einem Erdgasfeld in Westsibirien erhält, das gemeinsam von beiden Partnern erschlossen werden soll. Im Jahr 2018 soll die Produktion anlaufen, pro Jahr sollen mindestens acht Milliarden Kubikmeter Gas gefördert werden. Gazprom bekommt dafür den direkten Zugang zu europäischen Kunden. Das hatten die Russen viele Jahre lang angestrebt, eröffnet es ihnen doch mehr Kontrolle über die Wertschöpfungskette und die Entwicklung neuer Geschäfts- und Vertriebsmodelle

Wintershall überträgt das bislang gemeinsam betriebene Erdgashandels- und Speichergeschäft an Gazprom, teilte BASF mit. Dazu zählen unter anderem die 50-prozentigen Anteile an den Erdgas-Handelsgesellschaften Wingas und am Wintershall-Erdgashandelshaus Berlin sowie die Anteile an der Speichergesellschaft Astora und an den deutschen Erdgasspeichern in Rehden und Jemgum. Außerdem wird sich Gazprom zu 50 Prozent an der Wintershall Noordzee beteiligen, die in der südlichen Nordsee vor den niederländischen, britischen und dänischen Küsten Erdöl und Erdgas sucht und fördert.

Verhandlungen waren wegen des Ukraine-Konflikts gestoppt worden

Ihre langjährige Zusammenarbeit beim Transport von Erdgas wollen beide Konzerne fortsetzen. BASF und Gazprom hatten den Tausch wertgleicher Vermögensteile bereits im Dezember 2013 vereinbart, ihn aber ein Jahr später wegen des Ukraine-Konflikts gestoppt. Die EU-Kommission hatte der Transaktion Ende 2013 grundsätzlich zugestimmt.

Die Bundesregierung teilte am Freitag mit, sie hege keine Einwände gegen das Milliardengeschäft. Die bereits 2013 genehmigte Abgabe des Gashandels- und Gasspeichergeschäfts von Wintershall an Gazprom müsse nicht nochmals geprüft werden, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. „Einer erneuten Prüfung bedarf es nicht, wenn der Asset-Tausch in gleicher Form vollzogen wird“, ergänzte das Ministerium. „Dies und damit die Gesetzeskonformität sicherzustellen, ist Aufgabe der Unternehmen.“ Der Deal falle auch nicht unter die bestehenden EU-Sanktionen gegen Russland.

Die Regierung sieht auch die Versorgung nicht bedroht. „Die Gasspeicher, die Gazprom Germania betreibt, sind in Deutschland gelegen und unterliegen damit deutschem Recht“, erläuterte das Ministerium. „Die Versorgungssicherheit ist nicht gefährdet.“

„In diesem Jahr begehen wir das 25-jährige Jubiläum unserer erfolgreichen Zusammenarbeit. Die heutige Unterzeichnung stellt darin einen weiteren Meilenstein dar und wird unseren Unternehmen neue Möglichkeiten der Umsetzung von wichtigen Projekten eröffnen“, wurde Gazprom-Chef und Putin-Vertrauter Alexei Miller in einer gemeinsamen Mitteilung beider Unternehmen zitiert. BASF-Chef Kurt Bock erklärte, man setze die Strategie, in den öl- und gasreichen Schwerpunktregionen an der Quelle profitabel zu wachsen, fort.

Auch die Ostsee-Pipeline soll erweitert werden

Ebenfalls am Freitag unterzeichnete BASF in Wladiwostok im fernen Osten Russlands zusammen mit weiteren europäischen Energiekonzernen ein Abkommen mit Gazprom zur Erweiterung der Erdgas-Pipeline Nord Stream durch die Ostsee. Sie soll um zwei Stränge erweitert werden, die zusätzlich bis zu 55 Kubikmeter Erdgas nach Europa transportieren sollen. Die ersten zwei Leitungen der Pipeline sind seit Oktober 2012 in Betrieb. Das russische Gas landet in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern. An Nord Stream beteiligt sind neben Gazprom und Wintershall die Energiekonzerne Eon, Shell, OMV aus Österreich sowie Engie aus Frankreich.

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